Der Baum hing zum Brechen voll. Hie und da raschelte es in den Zweigen; dann löste sich eine Frucht und fiel ins Gras.

Die Kinder sahen nicht viel danach hin. Aber nicht aus demselben Grund, wie die Spatzen. Sie hatten nur heute Wichtigeres zu bedenken. Lore war gekommen, um Abschied zu nehmen. Sie teilten ihre Traube, Beere um Beere und sagten nicht viel dazu. Den leeren Kamm warfen sie über den Lattenzaun in den Stadtgraben und standen und sahen ihm nach, als ob es ein Stück ihres vergangenen Lebens sei.

Vorhin waren sie ein letztes Mal miteinander auf dem Turm gewesen. Ein letztes Mal; das war sonderbar. Warum konnte nicht immer alles gleich fortgehen, wie es von jeher gewesen war?

Es war nicht gerade ein Schmerz, da sie nun scheiden sollten. So ganz zum täglichen Leben hatte Lore den beiden andern nicht gehört. Es war nur so etwas Neues, anderes.

Da war so ein großes Tor aufgetan, und eins von ihnen ging hindurch, in die weite Welt hinein. Was mochte dort alles sein? Es war wohl alles ganz anders, als hier? Größer und schöner und voller Wichtigkeiten, voll neuer, unentdeckter Wunder. Es ging so etwas wie ein Reisewind durch alle drei hindurch.

War es schöner, zu gehen, oder zu bleiben?

Wer konnte das sagen?

Oben auf dem Turm, von Frau Judiths sonnigem Fenster aus, hatten sie in die leuchtende Ferne geschaut, Kopf an Kopf. Dort hinten lag Tübingen, weit hinten. Man konnte es nicht sehen, natürlich; es war viel zu weit dorthin.

Die ganze Albkette lag davor; alle die Höhen, die sich am Horizont hinzogen, Berg an Berg, als ob sie sich an den Händen gefaßt hielten und so durch die schöne Welt marschierten.

Hie und da glänzte es weiß aus den bläulichen, duftigen Schleiern, in die sich die Berge gehüllt hatten. Ein felsiger Abhang, eine Burgruine. Da eine und dort eine. Warum hatten sie das sonst nie so gesehen, wie heute?