Da gab sie dem Buch, das auf ihrem Schoß lag, einen kleinen Stoß, daß es ins Gras flog, und stieß mit der Spitze ihres zierlichen Fußes noch ein wenig daran und saß und wickelte sich ihre Locken um die Finger.
Das Buch war aber aufgegangen und als die Kinder so beiläufig danach hinsahen, war ein Bild auf der obersten Seite.
Das war etwas anderes, Bilder.
Da hob Georg es aus dem Gras und sie sahen miteinander hinein. Es war aber ganz und gar kein Kinderbuch.
Es war eine merkwürdige, schwere Geschichte von einem Mann, der aus seiner Heimat ging, weil ihm gesagt war, daß sie „die Stadt des Verderbens“ sei, und der durch unendlich viele Hindernisse, Fußangeln und Gefahren hindurch nach einer wunderbaren Stadt reiste, die ihm als Reiseziel immerwährend vor Augen stand.
Es war ein Gleichnis für das Leben der Christen, die sich mit starkem Mut und Willen aufmachen als Wandersleute, die in dieser Welt noch nicht zu Hause sind, aber gern nach Hause kommen wollen, wann ihr Tag sich neigt, und die sich unterwegs durch nichts halten lassen.
Es hieß „Bunyans Pilgerreise“ und es ist ein Buch, das in vielen Häusern der frommen, tiefdenkerischen und zuweilen grüblerischen Leute zu finden ist, die als „Stille im Lande“ da und dort zerstreut leben und sich zusammenfinden, um miteinander über das zu sprechen, was ihnen bei der Arbeit und am Abend bei der Lampe hinter den Büchern aufgegangen ist.
Nun sahen die Kinder miteinander hinein.
Und da es ihnen niemand erklärte, so drangen sie auf ihre eigene Weise in das seltsam-geheimnisvolle Buch ein.
Sie genossen es aber, da sie sich mehr an die Bilder hielten, die das Buch durchzogen, wie ein Märchen oder eine Sage und überschlugen die langen Gespräche und die Belehrungen und gingen mit Christ, dem Wanderer, durch all die Schrecknisse seines Weges. Und steckten einträchtig die Köpfe zusammen über dem Bild, da er zwischen den aufspringenden Löwen hindurchging, und dem, da er lag und schlief und sich ihm ein Gewappneter nahte mit gezücktem Schwert.