Wenn sie hätte reden wollen. Aber sie kniff die dünnen Lippen fest aufeinander. Das war das Allergeheimnisvollste.

Sie tat keinem Menschen etwas zuleide. Aber die Kinder hatten ein Grauen vor ihr, so ein gelindes, das bei Tag angenehm wirkt und nur in der Dämmerstunde die Schritte beschleunigt, wenn es einem begegnet, daß man ins Helle, Warme komme.

Und nun hatte sie der Lore ein Buch zum Abschied geschenkt.

Das war etwas Wunderbares.

„Sie ist mir auf der Treppe begegnet,“ sagte Lore.

„Und da hat sie sich vor mich hingestellt, und hat mir die Hand auf den Kopf getan, so —,“ Lore stand auf und legte ihre feine, weiße Hand auf Gertruds Kopf, „und das war eine eiskalte, dürre Hand, sie schüttelte den Kopf ganz stark und sagte: Kind, Kind, wenn du alles wüßtest, was kommt. Aber das weißt du nicht.

Ich wollte gern sagen, daß ich es gar nicht wissen wolle und daß sie ihre Hand wegtun solle, aber ich konnte nicht. So habe ich gezittert.“

Lore schwankte hin und her, als ob sie der Sturmwind schüttle.

Die andern lachten so ein bißchen unsicher. Und Gertrud zog sachte ihren Kopf zurück, obgleich es gewiß keine „eiskalte, dürre Hand“ war, die auf ihr lag.

„Und da hat sie gesagt — und die Augen dabei ganz klein gemacht —: ‚Da, das nimm mit auf den Weg, Kind. Da steht’s, was alles kommt. Es ist nichts mit der Welt.‘ — Ach was, ich weiß nicht mehr, was sie alles gesagt hat. Es ist auch einerlei.“