Sie aber nahm seine Knabenträume für feste Entschlüsse und erschrak sehr.
„In die weite Welt? Dann kommst du wohl nie wieder?“
„Ich weiß noch nicht, vielleicht.“
Er sagte es sehr gleichmütig. Aber als er ihren Schreck sah lenkte er ein.
„Doch, ich denke, ich kann es einrichten, Gertrud. Ach, ich weiß noch nicht, es hat noch Zeit, das alles.“
Seine Wünsche lagen noch in der Morgendämmerung und wogten, aufsteigenden Nebeln gleich, durch seinen Sinn. Bald nahmen sie dies Bild an, bald jenes.
Man würde schon sehen, was an ihnen war, je mehr der Tag heraufstieg.
Gertrud saß und legte ihren Arm um Lore.
„Ach, du kleines Ding,“ sagte sie. Und sagte es weich und mütterlich, so mit einem Ton, als ob sie Lores Großmutter wäre. Nein, ihre viel ältere Freundin; und sie war doch gleichen Alters.
Sie war nur geistig weit mehr entwickelt, und sie hatte auch von Haus aus eine viel tiefere, schwerfälligere Art. Sie konnte nichts obenhin nehmen, so stark und tief sie Freude und Schmerz empfand. Sie mußte immer alles ganz erleben, schon als Kind.