„Ach, das gibt’s ja nicht. Sag’ lieber noch, was mit dem hier ist, unten in der Ecke, dem mit dem lachenden Gesicht. Das ist der Nettste von allen.“

Ich weiß nicht, ob es für richtig gefunden wird, daß der Rektor den beiden erzählte, wie dieser, „der Nettste von allen,“ geendet habe. Ich sage nur, wie es war. Vielleicht war er kein so richtiger Pädagog, vielleicht ließ er die Kinder nur so mit sich leben und zeigte ihnen das Bilderbuch seines Lebens mit den fröhlichen und mit den ernsten Seiten, wie es sich beim Umblättern traf. Weil er selber auch ein kindlicher Mensch war, dachte er nicht so viel daran: dies hier ist nun für Kinder, — und dies für Erwachsene.

„Es war keiner so sonnig wie er,“ sagte er und nickte ernst.

„Man mußte ihn lieb haben in seinen jungen und schönen Tagen.

Das mußte man. Er war seines Vaters einziger Sohn. Er hatte Geld und Gaben des Geistes, und Schönheit und Witz. Und er meinte, es gehe durchs ganze Leben mit Kling und Klang, alle Tage und Jahre.

Er hieß Ernst. Aber der Name war alles, was er vom Ernst besaß.

„Wir wollen es mit der Freude halten,“ sagte er.

Das habe ich hernachmals für richtig gefunden und halte es noch für richtig. Ich weiß nicht, wie einer das Leben bestehen kann ohne Freude. Aber er wußte nicht so recht, was Freude sei. Er meinte, die brausende Jugendlust, das sei sie schon.

Ich sag’ euch, man muß Ernst dahintersetzen, es geht nicht anders.

Er glaubte das nicht nötig zu haben. Wenn er einmal wollte, dann flog ihm das Wissen nur so zu. Aber er verbummelte. Er ballte nie die Hand zur Faust und sagte: leicht oder schwer, das will ich. Er dachte wohl immer: später dann, das kommt noch alles. Man sagt, er habe zuletzt, als er viele Semester durchkneipt hatte, noch einen Anlauf genommen. Das war damals, als sein Vater starb und nichts vom Vermögen übrig blieb.