Und es war nur schade, daß jetzt die Sommervakanz kam und daß nach derselben auf des Professors Katheder ein anderer Mann stand. Und daß Georg Ehrensperger alles, was sich während der langen Wochen in ihm angesammelt hatte, samt seiner heimlichen Liebe, die nur einen Sonnentag erlebt hatte, auf den Pragfriedhof tragen mußte, wenn er es an den Mann bringen wollte.

Er brach aber einen Strauß von grünen Zweigen, und brach jedes Zweiglein mit Bedacht und es reute ihn nicht; den trug er dort hinaus.

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Einmal, das war an einem Werktag, da war ein außergewöhnlicher freier Nachmittag. Cannstatter Volksfest. Die Stadt war wie ausgeleert. Es schien, als ob alle Menschen dort unten auf dem Festplatz seien; niemand auf den Straßen, niemand an den Fenstern. Frau Mollenkopf war auch fort; sie war mit einer Nachbarin gegangen. Es mußte schon etwas so überwältigendes sein, wie das Cannstatter Volksfest, wenn sie am Werktag frei machte.

„Aber,“ hatte die Nachbarin gesagt: „am Volksfest schaffen? Das kommt mir vor, wie eine Sünd’. Einmal der Brauch ist’s nicht.“

Ja, und gegen den Brauch wollte Frau Mollenkopf nicht angehen. Da zog sie ihr zweitbestes Kleid an und zog mit der Nachbarin aus. Georg Ehrensperger war auch dort drunten gewesen; gestern gegen Abend. Die ganze Klasse war dort gewesen und er mit. Karussell, Schießbuden, Wachsfigurenkabinette, Moritatensänger, neues Sauerkraut und warme Würstchen, neuer Wein.

Er hatte genug von gestern.

Nun saß er am Klavier und übte. Er wollte den ganzen Nachmittag dazu benützen. Er mußte vorwärts kommen, es ging viel zu langsam für seinen Geschmack. Das war nicht nur so, wie zu Haus in Wiblingen unter der Bettdecke, wo es mühelos gegangen war. Hier, in der Wirklichkeit, da gab es Fingerübungen, fünfzig mal dieselbe, und dann zur Abwechselung Tonleitern.

„Sie haben etwas spät angefangen,“ sagte der Lehrer tröstlich, „das kommt noch; nur Übung, Übung.“

Ja, da saß er denn und übte. Aber ob er es jemals dazu bringen würde, so zu spielen, wie sein Lehrer?