Zudem hatte sie damals im siebenten Monat den Schorschle unter dem Herzen, der jetzt daheim im Kinderwagen lag.

Aber der Mann hatte sie über alles hinaus getröstet.

»Zur Tauf’ bin ich wieder da. Kann sein, schon vorher. Ich hab’ mir sagen lassen, der Kaiser hab’ gesagt, das gehe schneller, als man denke. Auch haben die schon gut vorgeschafft draußen in den sechs Wochen, seit der Krieg ist. Man liest’s ja alle Tage im Blatt.«

Vom Draußenbleiben, vom Fallen, da hatte er gar nichts gesagt.

Immer: »Wenn ich wiederkomm’, dann.«

Und jetzt war es schon so lange her.

Der Schorschle war geboren worden und getauft. Christtag war gewesen und Neujahr. Die Sau hatte man gemetzget und ihm immer wieder Würste und Speck ins Feld geschickt. Die zwei Großen hatten die roten Flecken gehabt und waren wieder gesund geworden. An Georgi war der Daniel mit seinen sechs Jahren in die Schule gekommen. Der Schorschle lernte das Lachen und fing an zu zahnen.

Ostern war gewesen, und man gärtelte, und die Baumblüte ging ins Land. Und jetzt war der Heuet und die Kirschen wurden rot. Aber vom Heimkommen war gar keine Rede mehr; nicht in der Zeitung und nicht im Wirtshaus, soviel die Schuhmacherin wußte, war die Rede davon, daß bald Friede werde und die Männer heimkommen. Es war, als ob es sich um den Frieden gar nicht mehr handle, als ob der weiß kein Mensch wohin verbannt wäre und man sich auf der Welt ohne ihn einrichten müsse.

Fragte die Schuhmacherin hie und da zaghaft jemand, etwa den Kaufmann Schnorr im Laden, oder den Metzger Schwegler: »Was meinet Ihr auch – kann sein der Sommer geht noch herum, eh’ die Feierabend machen da draußen?« so bekam sie zur Antwort: »O je, wenn’s bloß der Sommer wär, da möcht’ man noch nichts sagen. Das kann noch lange gehen, bis das ein End’ nimmt. Jetzt sind noch die Italiener gekommen. Weiß kein Mensch, wer noch kommt. Das geht nicht so im Handumdrehen, Schuhmacherin.«

Da fragte sie lieber gar nicht mehr. Endlos, endlos sah das alles aus. Die Werkstatt war still und leer. Und das andere Bett in der Kammer und der Stuhl oben am Tisch war leer. Sie sah im Geist eine lange Zeit vor sich, in der das nicht anders wurde, und darüber hinaus war ihr die Welt mit Brettern vernagelt, weiter konnte sie nicht hinaussehen.