Ja, es ist noch gut gegangen. Denn wie viele liegen draußen. Und viele siechen langsam hin, oder sind blind, oder – o Gott, nicht ausdenken darf man, was gelitten wird.

Aber bei mir ist’s doch noch gut gegangen und hätte können schlimmer sein.«

Und überhaupt.

Der Briefträger mit dem einen Arm und noch zwei aus dem Saal, die »wenigstens gute Füß’« haben, sind heute bei einer Beerdigung gewesen. Davon reden sie nun. Ein Hauptmann ist es gewesen, den man begraben hat. Er hat keine Frau und keine Kinder hinterlassen, man weiß es für gewiß. Er hat nur einen Bruder, der in Tsingtau gefangen genommen wurde, und eine Schwester, die als Missionarsfrau irgendwo »unter englischer Obhut« sitzt. Er hat schwer gelitten; es ist ihm gut gegangen, daß er gestorben ist. Seine Geschwister wissen’s noch nicht. Es trauert heut niemand um ihn.

Die Schwester gönnt sich und ihrem Patienten eine Pause und fragt, schier zaghaft: »Niemand? er wird doch auch Freunde haben? und seine Mannschaften? Die trauern doch um ihn?«

Es erbarmt sie immer so tief, wenn die Menschen da draußen sterben, an der Reichsgrenze, schon im deutschen Land, und doch in der Fremde. Die Kanonen donnern zum Grabgesang von den Vogesen her, und von den Grenzgefechten jenseits der schwarz-weiß-roten Pfähle. Der Krieg schreit noch hinein in ihre Stille, trotzdem sie ihm schon entronnen sind. Und ihre Eigenen sitzen oft weit weg und können nicht kommen. Es ist ihr dann, man müsse sie doppelt mit Liebe umgeben, die Toten, die doch nichts mehr spüren, mit Kränzen, mit Grabgeleit, mit Tränen.

»Seine Freunde und seine Mannschaften steh’n draußen. Die wissen’s nicht, daß er grad heut begraben wird. Die sind hart an der Arbeit, o je.«

Was sich so eine Schwester wohl denkt?

»Ein Leidtragender ging aber doch hinter seinem Sarg her,« sagte der Einarmige. Er heißt Christoph Volz.

»Ein Leidtragender! wer denn?«