»Also mir ist’s halt gewesen, er hab’ gesagt: bin ich vielleicht nicht auch noch da? bin ich vielleicht nicht auch ein Mensch? – bald hätt’ ich gesagt: ein Mensch – also bin ich vielleicht nicht auch eine lebendige Seele? Das hat mir gut getan in meiner Schwachheit.
Überdem ist der Morgen heraufgekommen und mich in meinem Graben hat ein Streifen Sonne getroffen, da hab’ ich gedacht: kann sein, du kommst doch noch einmal heraus. Wie man halt ist. Man hängt doch am Leben. Mein Fuchs aber, der hat mehr gesehen als ich. Der hat über dem Viereck drüben, am andern Waldrand, eine Patrouille reiten sehen; es sind von den Unsern gewesen, und hat laut hinausgewiehert, drei- oder viermal. Sind halt auch Kameraden von ihm dabei gewesen, das hat ihn gefreut.
Ich hab’ aus meinem Graben heraus mein Sacktuch geschwenkt. Und kurzum, sie haben mich gefunden. Sonst, behüt dich Gott, Schübel-Max. Wo mein Fuchs jetzt ist, das möcht’ ich wissen.«
Der Schübel-Max schweigt ein Weilchen. Dann sagt er: »Das hab’ ich eigentlich gar nicht sagen wollen, das von mir und dem Fuchs. Es ist mir nur so zwischenhinein gekommen, weil wir von der Anhänglichkeit geredet haben.«
»Was hast denn sonst sagen wollen?« fragte der Landwehrmann Gröhl, der sich gern gut unterhält, aber nur, wenn er selber nichts dazu tun muß. Zuhören, das kann er stundenlang.
»Ach, da ist doch gestern ein Kamerad bei mir gewesen, dem hat’s seine Frau geschrieben. Bei ihm daheim ist’s passiert, im Schwarzwald. Jetzt mag er nicht mehr essen und nicht mehr schlafen. Bloß heim möcht’ er, wie seine Gäul. Die sind, ein Gespann von Braunen, zwei Tage nach ihm selber ausmarschiert, nach Frankreich, wie er auch.
Die Frau und der Bub sollen, als die Braunen fortkamen, ärger geweint haben, als bei des Vaters Abschied.
Der eine von den Gäulen soll immer wieder den Kopf nach dem Hof hingedreht haben, solang man ihn gesehen habe. Der Hof liegt auf einer Höhe, nicht so gar weit von Oberndorf.
Also das war im August.
Jetzt, im Frühjahr, haben sie in Oberndorf Militärgäule versteigert, gefangene Franzosen und Belgier, und auch eine Partie deutsche Kriegsuntaugliche. Die Schragenbäuerin und ihr Bub sind auch zur Versteigerung gegangen, weil sie gern wieder ein Gespann zum Ackern gehabt hätten.