»Du hast ja gar kein’n, was weißt denn du?« wirft einer ein, der aus dem gleichen Ort ist. Denn der Schübel-Max ist nicht fürs Weibliche. Das heißt, er verehrt es schon, aber er kann nichts rechtes damit anfangen, er »kriegt den Rang nicht,« wie er selber sagt.
Aber er läßt sich durch die Einrede nicht draus bringen.
»So?« sagt er. »Das mit den Schätzen, das weiß ich vom Zusehen; aber das mit den Gäulen, das weiß ich vom Praktizieren. Da kann ich dann auch wieder sagen: Du hast ja gar kein’n, was weißt denn du?«
Denn der Kamerad aus dem gleichen Ort ist ein Infanterist, ein Sandhase, aber der Schübel-Max ist Kavallerist.
»Ich will gar nicht von mir sagen,« fährt er fort. »Von meinem Fuchs und mir. Wiewohl, als ich bin verwundet worden und die ganze Nacht in einem Graben am Waldrand gelegen, da ist er keinen Schritt von mir weggegangen. Wir sind ganz allein gewesen, heißt das, was Lebendige anbetrifft. Tote sind schon dagewesen,« er macht eine Handbewegung, als ob er etwas wegwischen wollte. Denn von ihnen will er jetzt nicht reden.
»Ich hab’ mich nicht regen können, denn ich hab’ zu viel Blut verloren, als ich bis zu dem Graben hingekrochen bin. »Fuchs, sag’ ich, armer Kerle, du hast Hunger. Geh’ doch da ’nunter, an das Waldeck, da ist eine Wiese mit schönem Gras.« Aber er tut keinen Ruck. »Und du? hast du vielleicht keinen Hunger?« sagt er.
Der Infanterist aus dem gleichen Ort fährt auf: »Was lügst denn so? kann vielleicht ein Gaul reden?«
»Du hast ja gar kein’n, was weißt denn du? Also ich hab’ ihn halt so verstanden.«
Es ist eine kalte Nacht gewesen. Die Stern’ sind am Himmel gestanden und haben mir zugewinkt, wenn ich mit den Augen geblinzelt hab’, wie wenn sie sagen wollten: über deinem Dorf und über der Kirch’ und dem Kirchhof scheinen wir auch. Aber du, du kommst nimmer heim. Wie man halt ist,« der Schübel-Max gab schier ungern sein menschliches Gefühl preis, »es hat mich doch erbarmen wollen, daß ich da draußen allein verkommen soll. Da hat mich auf einmal mein Fuchs angestoßen mit seinem Maul und hat an mir herumgeschnobert und hat gesagt« –
»Jetzt hältst aber dein Maul. Schwätz, was wahr ist und halt dich nicht so mit Lügengeschichten auf,« sagt der Kamerad aus dem gleichen Ort.