So eine dämmerige Plauderstunde aber ist ihm noch lieber als ein Buch.
»Mein Bruder ist auch in den Karpathen. Er ist Arzt,« fährt Bürschle fort, »und er hat mir geschrieben, – ach was, es ist gleich, halt auch von einem Hund.«
Denn auf einmal kommt es ihm vor, als ob das, was der Bruder geschrieben habe, nicht ganz direkt auf die geheimnisvoll-dunkle Geschichte des Möschenmosers hin zu genießen sei.
»Sag’s doch, Bürschle, wirst dich doch net schenieren,« ermunterte ihn sein Nebenmann. »Jetzt hast gegackert, jetzt mußt auch legen.«
Da nimmt er einen neuen Anlauf.
»Von einem Sanitätshund hat er geschrieben, der ganz neu zu seiner Sanitätskolonne gekommen ist.
Es war an einem späten Abend, da waren sie alle, die Ärzte und die Sanitäter, sehr müde, und draußen stürmte es, als ob der Wind ihre Baracke wegtragen wollte. Und sie meinten, sie wären für heute fertig. Aber der neue Hund wollte durchaus noch einmal hinaus und begehrte sehr heftig, daß jemand mit ihm gehe. Da waren zwei Sanitätsmänner, an denen war die Reihe für den Nachtdienst, die gingen mit, aber nicht gern, und mein Bruder ging auch mit, weil es ihn interessierte, was da noch lebendig sei heute nacht.
Der Hund führte sie durch dichtes Gestrüpp und dann einen steilen Hang hinunter, und wieder hinauf, und endlich blieb er bellend an einem tiefen Graben stehen. Und in dem Graben lag ein verwundeter Mann, der streckte flehentlich die Hände nach ihnen aus.
Der eine von den Sanitätern aber war mißgelaunt aus irgend einem Grund und ärgerte sich über den späten Weg und sagte, als er in den Graben sah: »’s ist ein falscher, ein Russ’. Der dumm’ Kerle kennt sie noch nicht auseinander.«
Da sagte der andere: »Sei still, schimpf nicht. Der wird recht, der Hund. Der hat’s wie unser Herrgott, der ist auf diese Weis’ auch neutral.««