Er kam ihr bekannt vor.

Zwar wußte sie nicht recht, sah er mehr dem alten Kaiser Wilhelm gleich, den sie freilich nur im Bilde kannte, oder mehr dem Medizinalrat, der ihre Mutter einst behandelt hatte. Vielleicht war von beiden etwas an ihm.

»Alleweil fleißig?« fragte er.

»Passiert,« sagte sie. »Es ist bis jetzt noch ruhig am See. Luftkurgäste sind schier noch keine da. Kann sein, sie kommen heuer überhaupt nicht. Es wird ihnen nicht so arg ums Verreisen sein.«

»So so,« sagte der alte Herr, »und was schaffst du alsdann den ganzen Tag?«

Da spürte sie wieder den Druck, den sie schon aus dem Wachen mit in den Schlaf herein genommen hatte.

»Ach,« sagte sie, »da sitz’ ich an der Badanstalt und stricke Socken. Immer Socken fürs Militär. Kann sein, es kommt jemand zum Baden, kann sein, es will jemand nach Lindau hinüber gerudert sein. Man muß halt da sein. Die Männer sind im Krieg. Verzeih’ mir’s Gott, ich denk’ oft, die haben’s gut, daß sie was Rechtes zu schaffen haben in so einer schweren Zeit. Ich denk’ oft, ich sei grad für gar nichts da.«

»So hat gestern auch ein Landstürmer zu mir gesagt, der seit sechs Wochen Bahnwache hat,« sagte der alte Herr sehr ernst. »Es muß ein jedes an seinem Platz stehen, sonst kann ich euch nicht siegen lassen. Aber ich weiß wohl, du denkst halt, du möchtest etwas verrichten, was grad bloß du tun kannst, die Christiane Kies, wie sie ist mit ihrem ganzen Gemüt.«

Da sagte sie:

»Der Herr siehet das Herz an; grad so ist’s bei mir, Majestät, oder wie muß ich sagen?«