Ich starrte ihn unverwandt an. Da sagte er lachend: „Was ist, kleiner Zaunkönig, was guckst du so?“ Und ich wurde dunkelrot und sagte aus der Mutter Schürze heraus, in die ich meinen Kopf gesteckt hatte, vor plötzlicher Verlegenheit: „Das da ist so glänzig.“ Ich deutete auf seinen Kopf. Da brach er in ein helles Lachen aus und ließ mich kleinen Buben in seinen Armen durch die Luft fliegen, ganz hoch hinauf gegen die Decke hin, auf der in hoher Arbeit ein Walfisch war, der den Propheten Jonas ans Land warf.

Und meine Mutter saß da und hatte noch nichts gesagt.

„Ja also, Frau Fugeler,“ sagte der alte Herr, „ich brauche so ein paar kleine Buben für mein großes Altarbild. Der da gibt schon so einen Engelsbuben mit seinen Locken und seinem Gesichtlein. Ziehen Sie ihn nur einmal aus, ich möchte ihn einmal in seiner ganzen Herrlichkeit durch die Stube springen lassen.“

„Wieso denn ausziehen?“ fragte meine Mutter. „Ich hab' ihm extra ein besseres Gewändlein gemacht, daß er sich sehen lassen kann. Das Hemdlein, das ist nicht mehr neu, ich muß ihm die alten anziehen, von den Mädchen her.“

„Ja, daß wir einander recht verstehen, Frau Fugeler, der Bub soll ja gar nichts anhaben. Das muß sein wie im Paradies, wie in seligen Welten, wo niemand sich verhüllen und vor dem andern verstecken muß. Das muß sein, wie wir alle wären, wenn wir geblieben wären, wie in der Kindheit: schön, wahrhaftig, lachend, fromm und gesund.“

Die Mutter schüttelte den Kopf. „Ich bin ein einfaches Weib, Herr Professor, es mag schon recht sein, wie Sie's meinen, aber ich versteh' das nicht so. Mein Mann tät's nicht leiden, wenn er's wüßte, daß Sie den Buben so nackend vor aller Welt hinstellen wollen, und ich leid's auch nicht.“

Der alte Herr trommelte mit den Fingern auf die Fensterscheiben und sah eine Weile in den Garten hinaus. Dann rief er hinunter: „Maidi, komm einmal herauf.“ Und gleich darauf wurde ein leichter Tritt draußen hörbar, und ein kleines Mädchen kam herein. Es hatte ein weiß und rotes Gesichtlein und hatte ein blaues Kleid an, auf das zwei hellglänzende Zöpfe niederhingen, und alles an ihm wippte und lachte. „Maidi, nimm einmal das Büblein eine Weile mit dir in den Garten,“ sagte der alte Herr, „du kannst ihm Kirschen geben und mit ihm spielen.“

„Ja, Großpapa,“ sagte Maidi, „er kann mein Bräutigam sein, wir spielen Hochzeiterles.“

„Wer ist das: wir?“