Dann wieder habe sie Respekt davor, daß ich so an ihr hange, so ernst und ehrlich. Sie denke oft, es wäre gut, wenn wir einmal Mann und Frau wären, denn dieser Brautstand sei eine Komödie, und es werde nachher alles besser sein.

„Oder wenigstens,“ setzte sie zögernd hinzu, „war es so, bis du wieder kamest und alles neu aufwecktest. Es wäre wohl alles recht geworden ohne das. Ich hatte die besten Vorsätze.“

Er sah sie immerfort an. Sie verwirrte sich unter seinem standhaften Blick.

Es war, als ob er sie zu sich heranzöge. „Und nun?“ fragte er. „Nun hast du die große Hochzeit eingerichtet und wirst sie halten, nicht?“

„Nun wirst du mir zu mächtig. Ich weiß nicht mehr, was ich kann und soll, du wendest alles in mir um. Du hättest nicht mehr kommen sollen. Ich gehe umher und verachte mich, weil ich wie eine gemeine Dirne eine Liebschaft habe hinter dem Mann, der mir vertraut und ein Ehrenmann ist, ich, Eleonore Bitterolf, die einst so stolz war. Ich muß es wieder sein können, ich halte das nicht aus. Nein, schüttle nicht den Kopf. Ich habe ihn freilich nicht belogen; ich habe nie getan, als ob ich ihn liebte. Und ich habe dir nichts gegeben, keinen armen Kuß mehr. Nichts als meine Gedanken, nichts als mein Herzklopfen bei Tag und Nacht, und mein Geigenspiel, das ihm nie geklungen hat, und –“

„Komm,“ sagte er und breitete die Arme aus. „Und dein Herz? Ist es nicht so?“

Sie tat einen zögernden Schritt nach ihm hin. Wenn ich mir einmal gewünscht hatte, sie erregt zu sehen, von einem starken Gefühl übermannt, so konnte ich das nun haben. Sie sah prachtvoll aus, ganz durchglüht von innerem Feuer und doch zerrissen, stolz und unterjocht zugleich.

Ich konnte es nicht hindern, daß ich einen stöhnenden Laut ausstieß. Sie hörten mich aber nicht. Sie sahen nur einander an. Es fielen jetzt große, schwere Tropfen. „Geh'!“ hörte ich Eleonore auf einmal sagen. Es klang hart und hochmütig. Das Feuer in ihrem Gesicht erlosch. Sie wurde wieder das Steinbild, das ich kannte.

„Nein, mein Herz nicht. Ich muß es für mich behalten. Ich hätte dich nicht mehr sehen sollen. Geh' jetzt, folge mir nicht ins Haus. Ich will wenigstens ich sein, so viel ich auch dafür bezahlen muß. Es wird wohl von uns dreien keiner glücklich sein, aber es kommt schließlich auch nicht darauf an.“

Sie ging dem Hause zu, langsam. Er folgte ihr nicht. Er ging die schmalen Staffeln hinunter, die nach der Stadt führten, im Regen, der nun herniederströmte.