Ob die Himmelreichsgasse ihren Namen mit Recht oder mit Unrecht trage, darüber gingen die Ansichten auseinander.

Die da meinten, er soll besagen, es sei ein himmlisches Leben und Aufenthalt daselbst, die schüttelten ärgerlich und enttäuscht den Kopf, wenn sie die niedrigen, rauchigen Häuser sahen, die rechts und links von dem ausgetretenen Pflaster standen und die Last ihrer spitzen Giebel trugen.

Wer aber die steil ansteigende Gasse als einen Weg ins Himmelreich betrachten wollte, räumlich angesehen, der gab wenigstens zu, daß das obere Ende demselben ein gut Stück näher sei als das untere. Und das ist in dieser unhimmlischen Welt auch nicht nichts.

Die letzten, obersten Häuser, zu denen noch eine Flucht von Staffeln emporführte, stießen dicht an den Wald an.

Von dessen Rand aus konnte man einen weiten Blick, ein ordentliches Auge voll tun über Erd’ und Himmel hin. Unten lag der alte Marktflecken, von einem kleinen Fluß durchzogen, von steil ansteigenden Höhen sorglich umschirmt. Hier oben war es still, friedlich und weit.

Es war doch nicht ganz ohne mit der Himmelreichsgasse.

Die stieg an einem schönen Junitage ein junges Fräulein empor. Es trug in der einen Hand einen zusammengeklappten Feldsessel, zwischen dessen Tragbändern ein hellgrauer Schirm stak, in der anderen einen schwarzen Kasten mit blitzendem Metallgriff, über dessen Zweck und Inhalt sich die Bewohner der Himmelreichsgasse vergeblich den Kopf zerbrachen. Mit aufmerksamen Augen studierte das Fräulein im Hinansteigen die Inschriften der Hausschilder, die Auslagen der Metzger- und Bäckerläden, die Blumenbretter vor den Fenstern und die Schwalbennester an den Balkenvorsprüngen.

Die Hausnummern sah sie auch prüfend an. Aber da sie dabei rüstig weiterschritt, so wagte sie niemand anzureden mit der Frage, die auf jedem Gesicht stand, wohin sie wolle, und etwa noch, warum?

Es war gegen Abend. Auf dem Pflaster spielte die Jugend, vor den Häusern standen Mütter mit den kleinsten Kindern auf dem Arme, vor der Schmiede stand ein Fuhrmann mit seinem Gaul, und der Schmied trat mit dem glühenden Eisen an der Zange unter die Tür. Es war ein belebtes Bild, das Fräulein sah mit lebendigen Augen um sich.