Er lag ausgestreckt auf einer der Uferklippen und las Ellen seine Verse vor. Ellen saß neben ihm und hatte das Schürzchen voller Kieselsteine. Die Kieselsteine waren rund und glatt gespült vom Wasser, die Verse verstand sie natürlich nicht.

»Ist das nicht schön, Ellen?« fragte er.

»Doch,« sagte sie überzeugt, denn er machte ein so frohes Gesicht dazu, und das gefiel ihr gut.

Sie verstanden sich vorzüglich miteinander und sie brauchten eigentlich sonst niemand zum Vergnügtsein.

Zwar hatte er längst seine Scheu vor den Hausgenossen abgelegt und manchmal unterhielt er sich ganz nett mit diesem und jenem, aber im Grunde war er doch am liebsten mit Ellen zusammen und sie hatte es mit ihm gerade so.

Mammi brachte keine Störung in ihren Verkehr.

Sie seufzte viel, daß es so furchtbar langweilig sei, aber das hatte sie in Bühringen auch getan. Dann war Ellen immer zum Papa gegangen und hatte sich in seiner Studierstube ein eigenes Haus aus Büchern erbaut, in dem er sie dann besuchte, oder sie war bei Margret in der Küche oder bei Andres und Wotan und Freya im Stall.

Und hier war sie bei Holder, das war der ganze Unterschied.

Sie ging mit ihm an die Klippen hinunter, da sahen sie die Fischerboote weit draußen liegen und sahen die Segel in der Sonne glänzen. Oder sie sahen einen Dampfer von Genua herkommen und ruhig seine große Bahn ziehen und wieder verschwinden. Dann mußte Holder erzählen, wohin er fahre und wie es dort sei, wo er hinkomme. Von braunen Kindern erzählte er da, und von Palmenwäldern und Affen.

Palmen gab es zwar auch hier; sie gingen dahin, wo sie am schönsten und höchsten standen, in einen wunderbaren Garten, der einem Marchese gehörte. Der Marchese war fort, das war er meistens, er lebte lieber in großen Städten als hier.