Dann konnte sie sich plötzlich im Garten auf dem Gras niederlassen und beide Arme nach ihr ausbreiten. Aber Ellen war das nicht gewohnt und kam darum nicht so schnell dahineingeflogen, wie Mammi wohl erwartet hatte. Dann sagte sie klagend: »Ellen, hast du denn deine arme Mammi gar nicht lieb?« und küßte sie viele Male, auf den Mund, in die Augen, auf die Stirn, und drückte sie fest in die Arme.
Und Ellen mußte sagen, daß sie die Mammi lieb habe. Das tat sie auch, sie tat es aber ein wenig zögernd, ernst und still.
Und Mammi sagte, das Kind müsse mehr unter Menschen kommen, und putzte sich selbst und Ellen schön heraus, so daß sie beide sehr wohl in den nächsten Umkreis des Musikpavillons paßten, und ging mit ihr dort spazieren.
Das tat sie einige Male. Da wurde sie eines Tags von einem Herrn, der gleichfalls dort spazieren ging, gefragt, ob gnädige Frau vielleicht Norwegerin sei, sie trage so wundervollen nordischen Schmuck, und sie sagte: ja, wenigstens von Geburt und Erziehung.
Und es fand sich, daß der Herr auch schon »da oben« gewesen war und auch sonst schon an allerlei Orten, die sie kannte, es gab wundervoll viel zu reden darüber und über noch vieles andere, an diesem Tag, und am folgenden noch mehr, und so immer fort.
Mammi erholte sich zusehends, wurde auch im Hause lebhaft und gesprächig und fand, daß ihr Mann doch damit recht gehabt habe, daß er ihr viel frische Luft und Bewegung verordnet habe.
Besonders auch Segelpartieen bekamen ihr gut, aber natürlich konnte sie dabei das Kind nicht mitnehmen, es war wohl überhaupt besser, wenn es regelmäßig lebte, es war oft nicht so ganz wohl in letzter Zeit.
Das fand Holder auch. Er sah, daß es an Heimweh litt. Es war merkwürdig an so einem Kinde, aber es sehnte sich wahrhaftig immer nach seinem Vater. Und es wußte, der Vater sehne sich auch nach ihm. Er hatte oft an einem inneren Grimm zu würgen.
Da ging sie nun wieder im gelben Leinenkleid mit dem silbernen Gürtel, strich dem Kind übers Haar: »Adieu, Kleines, geh artig zu Bett, hörst du? Mammi hat Schokolade für dich.« Weg war sie.
Als ob es dem Kind um Schokolade gegangen wäre.