Es war eine kleine Eidechse aus grünem Email mit zwei winzigen roten Rubinäuglein.
»Fein, gelt? Ich habe es von dem Onkel, der immer mit Mammi geht. Und er schenkt mir morgen eine Dose, die kann man aufziehen, dann macht sie Musik. Und heut mittag darf ich mit dem Onkel und mit Mammi ausfahren in einem Wagen, der hat rote Samtpolster. Das ist fein, nicht? Ich bin so froh, bist du auch so froh, Holder?«
Ja, sie war so froh über ein bißchen Freundlichkeit und Mitgenommenwerden, und er hätte ihr am liebsten das Armband genommen und ins Meer geworfen, so zornig war er.
Er sagte gar nichts.
Aber sie merkte es heute nicht gleich, daß er verstimmt sei. Sie war zu froh dazu.
»Meine Mammi ist schön, gelt?« sagte sie. »Dort unten kommt sie. Sie hat ein schönes Kleid an und lacht, und sie hat zu mir gesagt: ›Du bist ein süßer, kleiner Schneck.‹ Gelt, das freut dich auch, wenn deine Mammi so zu dir sagt?«
Aber er wollte jetzt nicht sehen, wie schön Mammi sei. Er wollte jetzt nichts von Mammi wissen.
»Komm, wir gehen da hinüber,« sagte er. »Wir setzen uns ins Rosenrondell, dann sag’ ich dir etwas.«
Ja, das wollte sie gern, sie machte ihre großen Augen; was er wohl sagen wollte?
»Denk einmal, als ich heute morgen aufwachte, da ist vor meinem Fenster alles dick voll mit Schwalben gesessen. Auf der Terrasse, auf der Dachrinne, auf den Telegraphendrähten. Sie sind übers Meer her gekommen und jetzt gehen sie heim. Sie sind schon wieder fortgeflogen, sie haben nur hier ein wenig ausgeruht.«