Diesen anderen aber dünken infolgedessen solche Ausdrücke durchaus nicht für Beleidigungen; und sie werden eine Kultur, die ihnen deshalb eine so absterbende dünkt, weil sie keinen Schimmer von ihr haben, in allen Tönen und Varianten morsch und putrefakt nennen.
Kapitänleutnant Mücke aber, der mit ihnen kämpfte, diesen Franzosen, welche die Zeitschrift schildert, Kapitänleutnant Mücke äußert sich folgendermaßen: „Der Kommandant des französischen Torpedobootes hatte bei der ersten Salve beide Beine verloren. Als er sah, daß ein Teil der Mannschaft über Bord sprang, schrie er: Bindet mich fest! Ich will nicht überleben, daß Franzosen ihr Schilf verlassen. Tatsächlich ist er als tapferer Kapitän an dem Mast gebunden untergegangen.“
Nun aber die Zeitungen: Als wir die Franzosen später fragten, warum sie vor unseren Rettungsbooten weggeschwommen seien, sagten sie: ‚On nous dit que les Allemands aimaient à tuer leurs prisonniers.‘ Man darf ohne den allerletzten Beweis keinen, auch den größten Schurken, eines Verbrechens anklagen, aber noch immer ist dies eine gesetzlose Welt den Volksverleumdern gegenüber, die wie eine Schwäre ganz Europa so lange überziehen werden, bis es endlich einen Paragraphen gegen sie gibt. Dann erst würden sich auch alle diejenigen besinnen, die sich heute zu ihren Gesellen erniedrigen. Neulich bemerkte jemand so richtig: ‚Immer hören wir, es trügen überall nur ganz wenige eine Verantwortung an diesem Kriege, und die Vielen seien überall ganz unschuldig daran, während es sich doch gerade umgekehrt verhält, und überall die Vielen auf tausenderlei Weise, und wäre es nur durch ihre Gedankenlosigkeit, teil an der ungeheuren Blutschuld haben, und nur die Wenigsten mit reinen Händen vor ihr stehen.‘
Dem Führer der Emden versagte die Stimme und der Schmerz übermannte ihn, als man die Besatzung eines Schiffes, das er torpediert hatte, verloren geben mußte. Aber vor mir saß eine dicke, unnütze und ordinäre Baronin und sprach ihre Genugtuung über die Bomben aus, welche London getroffen hatten.
O! du hättest hören sollen, wie sie redeten! Und hier saß keiner, der den Frieden um des Friedens halber ersehnte, vielmehr saß hier keiner, der nicht irgendeinen Vorteil aus all dem Jammer zog, der heute den Erdteil erfüllt. Ein Haß wie eine dunkle Säule richtete sich in mir auf gegen diese Gesellschaft, in deren Mitte ich zum letzten Male saß. Denn dies ist das einzig Gute an diesem Krieg, daß man aufräumt mit seinem Umgang und nicht länger aus diesem oder jenem lächerlichen Grund sich mit Leuten weiterschleppt, mit denen man nichts gemein hat.
Aber etwas Witziges muß ich dir noch erzählen: Als der „Matin“ nachträglich von dem Dresdener Skandal erfuhr, beschwerte er sich auch.
[1] Siehe eine Süddeutsche Zeitung.
[2] Die Anderen sind es.