Ich werde weiter nichts sagen, als daß ich an diesem Satze Ärgernis nahm. Denn wir, die Herausgestellten, haben einen anderen Ehrgeiz, wir sehen gar keinen Grund, warum wir dieses politische Volk mit einer politischen Sprache nicht ebensogut sein sollten wie andere. Viele meinen ja auch: Jetzt müssen wirs werden, kein einziger scheint sich zu fragen, wie. Ein vorsätzliches Abschließen von den politischeren Nationen ist sicher nicht der richtige Weg. Was sie vor uns voraus haben — nehmen wir ihnen doch nur, indem wir es von ihnen lernen.

Ich will es jedoch anderen überlassen, dies Thema weiter zu erörtern. Ich habe nur noch zwei Dinge zu sagen. Es ist gewiß außerordentlich kindisch, uns unsere großen Männer streitig machen zu wollen oder sie herabzusetzen. Nicht minder weit vom Schusse sind wir aber, wenn wir uns immerzu auf sie berufen, denn große Männer sind noch lange nicht die Nation. Und wir dürfen nicht vergessen: daß sie immerhin als ziemliche Dulder in unserer Mitte lebten, noch auch die scharfe Kritik, die sie an uns übten. Es besteht sogar immer die Möglichkeit, daß große Männer ihrer Nation verloren gehen. Wären allerorts diese Auserwählten eines Volkes auch dessen führende Geister, Europa böte heute ein anderes Bild! Es sind aber ganz im Gegenteil die Zeitungen und unter ihnen nicht die besten, welche diese Rolle übernahmen . . .

Ich sprach von unserer Sonderstellung und den Dingen, die wir besser sehen. Aber vielleicht sind die Dinge, die wir nicht sehen, noch bezeichnender.

So können wir gar nicht verstehen, daß die Völker, die doch schon allesamt ihre Revolutionen hatten oder zu haben versuchten, warum sie sich allesamt ihre hetzerische Presse noch gefallen lassen, warum sie sich die noch nicht verbaten; warum sie noch nicht zusammentraten und gegen die rebellierten? Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß die Greuel der belgischen Bevölkerung infolge verleumderischer und aufreizender Zeitungsartikel als Repressalien entstanden sind. Wann werden die Vertreter der würdigen Blätter dagegen protestieren, daß solche Mörder der Gesellschaft sich ihre Amtsbrüder nennen?

Man hat schon Regierungen davongejagt, aber der Herausgeber eines Hetzblattes thront wie ein Gesalbter des Herrn auf seiner Redaktion. Argwöhnisch wird das Tun und Treiben eines Monarchen verfolgt, wer aber hat es gewagt, gegen den „Matin“ einzuschreiten, der schlimmer als eine russische Knute Wahrheit, Vernunft und Mäßigung unterdrückt?

In jedem Lande aber gibt es Erscheinungen, die dem „Matin“ nacheifern, ohne ihn zu erreichen, es ist unleugbar, daß die öffentliche Meinung sich der extremen Lüge leichter als der Wahrheit ergibt, und deshalb wäre heute nichts notwendiger auf der Welt, als daß eine Sezession innerhalb der Presse entstünde.

Es wird Sie nicht mehr befremden, daß ich mir die Interessen der Internationalen Rundschau zur Gewissenssache machte, auch wenn ich hinzufüge, daß es aus freien Stücken geschah, ohne irgendeinen Auftrag von seiten der Herausgeber. Und erlauben Sie mir, nachdem ich mit so viel Entschiedenheit meine Behauptungen vorzutragen unternahm, daß ich mit einer Vermutung schließe.

Wir versprechen uns so viel von den Erleuchtungen, die uns auf allen Gebieten nach diesem großen Krieg geschenkt werden. Aber ist es nicht wahrscheinlicher, daß, wenigstens in den ersten Friedensjahren, nur diejenigen Ideen Ansehen genießen werden, die schon im Kriege sich einen Platz in den Gemütern errangen und teil hatten an dem heutigen Schwung und der Erhebung der Geister?

Sprechen wir also heute schon von einer Einheit der kämpfenden Nationen durch die letzten Güter der Menschheit. Denn wir müssen sie dieser Feuerprobe der Beurteilung unterwerfen, gerade inmitten der gegenwärtigen äußersten Not und Anspannung.