In der That hub Beethoven’s Nachfolger von vorne an und erklomm einen Berg, um auch er — und dies ist bedeutsam — zu enden, wo die Kunst endigt.
Wo sie aber zu Ende ist, dort behauptet wie eine wahnsinnige tote Karrikatur die heutige Musik ihren unredlichen Platz.
Wagner, dieser einfache Mann, der ohne Stil, nur von Gedanken gedrängt, sie so gross und unschuldig niederschrieb, hätte er doch den Missbrauch seiner tiefen, weittragenden Worte geahnt. — Mit Siegeln nur hätte er dann seine Bücher vermacht!
Denn die göttlich stillen Seen, die ein Adler erschaute, sind nun ihrer Einsamkeit entweiht und von der lauten Menge umlagert. Eine so schauderhafte Vulgarisation, eine so triviale Gier, hohe Gefilde zu umlärmen, hat sich ihrer bemächtigt, dass alles Urteil befangen liegt, und keiner seine eignen Worte mehr spricht. Die Halbgebildeten, die Ungebildeten, sie stürzen alle voran. In dieser eitlen Wut ist jedes Unterscheidungsvermögen gelähmt, einer ist der schwächere Abdruck des andern, und alle halten sich krampfhaft an dieselbe Schnur. Nie aber verklingt das letzte hohle Wort!
Ein Abhang im Schatten, ein Fels in der Dämmerung tönt voller als heutige Musik!
Ach! käme doch einer, der unsre Geheimnisse in ihre alten Schleier hülle, bis wir gelernt haben, sie wieder zu verschweigen.
Vielleicht werden wir dann die Früchte ernten, die wir so jäh herunterrissen, vielleicht gelangen wir dann auf Umwegen ans Ziel, vielleicht erschliessen sich uns dann neue Aussichten, ein neues Land und neue Bewandtnisse.
Betrachten wir es genau: Das hehrste Sujet der Menschheit haben unsre grossen Geister scheu umschifft, und ihre unbeschreiblich zarte Jüngerschaft haben sie nicht gesagt oder nicht zu sagen vermocht.
Wir aber wissen wohl in aller Stille, dass durch sie von Ferne eine Gestalt sich uns nähert, die uns so unerklärlich und unfassbar bleibt.
Wir fühlen in der beglückenden Harmonie eines Plato, in Shakespeare’s Tiefe, in Goethe’s Erhabenheit, im Fluge Beethoven’s, in Mozart’s Klang, in Wagner’s Blick, in der Sensibilität eines Schopenhauer (um einmal all die armen Abgedroschenen zu nennen!); wir fühlen, dass aus allen grossen Gemütern etwas ausgeht, was uns mit einer seltsamen Ahnung durchschauert betreffs eines, Gott sei Dank, noch nicht zu oft genannten Namens.