Mit Statuen aber geht es uns häufig wie mit der Musik: was im Museum wohl zurückstände, im Konzertsaal uns kritisch ließe, kann unter freiem Himmel hinreißen und rühren. Unwillkürlich waren wir stehen geblieben.

„Wie der menschliche Körper durch die griechische Kunst, so hat sich seitdem das menschliche Leben selbst zu einem Ideal gestaltet.“

„Zum mindesten ein vorgreifender Glaube,“ meinte er.

„Wie jeder Glaube,“ sagte ich.

IV.

So machen wir auf Reisen unsere schnurrigsten Erfahrungen. Gilt es jedoch die Ansichten vorzubringen, die sich da ganz von selbst für uns ergeben, so dünken sie uns gar zu einleuchtend und elementar, um noch erwähnt zu werden. Aber das langweiligste ist, daß wir mit solchen Ansichten, obwohl sie längst unausgesprochen da sind, immer noch als Vorläufer erscheinen, und daß es immer noch keine Gemeinplätze sind; denn sie stehen noch immer nicht in den Zeitungen, diesen Feldern des Überdrusses, diesen mit wenigen Ausnahmen so träg geschäftigen Wiederkäuern zu oft gesagter oder überwundener Dinge!

Oft sind es aber ganz kleine Dinge, die uns mit der Artung einer Nation unversehens in Berührung bringen, wie ein plötzlicher Augenaufschlag, oder der Schatten eines Lächelns uns plötzlich neue Einblicke in das Wesen eines Menschen gewähren kann.

Zwei Pariser Episoden bleiben mir deshalb stets lebhaft in der Erinnerung.

Eines Nachmittags ging ich den Quai d’Orsay entlang und einem matten winterlichen Sonnenuntergang entgegen.

Ich hielt einen Strauß der wundervollsten Blumen. Besonders prangte da eine ganz erstaunliche Rose, mit der man immer wieder sich befassen mußte. Sonst war ich eigentlich eher verstimmt. Ich kam gerade von einem déjeuner, das mir zwar, so lange es dauerte, sehr animiert und glänzend schien, bis ich nachträglich merkte, daß es mich gelangweilt, daß all die unnützen Dinge, die ich vernommen oder selbst gesagt, ja selbst all die schönen saillies und mots d’esprits mich zuletzt verdrossen hatten. Gott, und mein Nachbar erst, wie sich der verpuffte! Es glitzerte und flickerte, jedoch das Wässerlein war seicht, und war kein Fischlein darin.