Nicht daß es sie jetzt nach Mitteilsamkeit drängte, nein, auszuruhen, zu vergessen, sich zu freuen. Schönheit, Gebärde, Sprache, die Form eines Auges, die Bewegung eines Arms, die alles war ein Organismus, der sie umfriedete. Dann wurde es still in der dumpfen Werkstatt, und Gedanken feierten. Der Reiz der Nähe löste den gezogenen Blick von ihren Augen, und ihr Geist erkannte rastend seine Heimat.
Denn es war ihr Geist, der in der Welt der Körper, der in dieser Welt sein Element erkannte!
Allein in der Einsamkeit, die sie also bedräute, umschloß sie jetzt deutlich wie Felsenzacken gegen das Sonnenlicht der Ring ihrer Gedanken.
Nicht länger von der Welt barer Vorkommnisse aus den Fugen gerissen, erkannte sie die tröstliche Bedingtheit alles Elends. Erkenntnis sollte nicht den Pflock des Leidens tiefer in uns treiben! Alles war Folge, und selbst Geschehnisse nicht unentrinnbar.
So weit, so anders erblickte sie die verlorenen Tore ihres Glaubens wieder. Was immer das Dogma vom Geiste löste, erschien ihr da als ungeheuerster Verrat. Nicht als Dualität, als Organismus erfaßte sie den Menschen und seine Apotheose, nicht seine Trennung als sein Endziel. Ihrem weltabgewandten und entsagungsvollen, aber stets verheißungsvollen Bildern zugekehrten Auge wollte die unendliche Elastizität jenes Glaubens als sein tiefinnerstes Geheimnis sich erschließen; des Paradoxalsten, Bedeutungsvollsten eingedenk und psychologisch tiefst Begründeten, was der Mensch zutage förderte: als das „Maß aller Dinge“ stellt er den Abstand zwischen ihm und der Gottheit, Prometheus, die seligen Götter und den allgewaltigen Zeus! Quellen und Haine belebt er mit übermenschlichen Wesen, scheu verehrend, was er selber schuf. Ahnung war es, die ihn die eigenen Ideale, das eigne Ziel so fern erkennen und den Olymp erträumen ließ! Solche Träume, mußten sie nicht das Sehnen eines Gottes nötigen, zu tausendfacher Befreiung den Menschen zu erlösen?
Druck von Oscar Brandstetter in Leipzig.
Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):
- ... Steine leuchteten, war starr wie ein Scheibenherz. ...
... [Sterne] leuchteten, war starr wie ein Scheibenherz. ... - ... Dazu kommt, das bei ihnen der Prozentsatz ...
... Dazu kommt, [daß] bei ihnen der Prozentsatz ... - ... in hundert Jahren recht haben sollte. „Aber ...
... in hundert Jahren recht haben sollte. Aber ... - ... lo leuchtend und blau dahinfloß, so deutsch mit ...
... [so] leuchtend und blau dahinfloß, so deutsch mit ... - ... zu einem See besänftiget, sich weitete, und als ...
... zu einem See [besänftigte], sich weitete, und als ... - ... to exchange!“ Und da er mich anstarrte: because ...
... to exchange!“ Und da er mich anstarrte: [„]because ... - ... Neigung ...
... Neigung[.] ...