„Wann zeigst du dich in deinem Glanze?“ lachte Eleonor herüber. Als Antwort ein wilder Schrei. Was hatte ich gesehen? Was zeigte sich mir da? Sie stürzte herein, wähnend, meine Kleider steckten in Brand. Ich hatte sie noch nicht angelegt. Was nun auch sie erblickte, war ein Gegenstand in meiner rechten Hand: ein blaues Band an einem Ende losgerissen, von dem ein schweres Säckchen herunterhing. Es war mitsamt dem Bande bis zum Gürtel hinabgerutscht, hinter der hohen, nach innen ausgebuchteten Schnalle platt gedrückt. Und das Mädchen im Gefängnis. „Fliehen Sie, fliehen Sie!“ war Eleonors Schreckensruf, und sie verließ das Zimmer. Zitternd und ungefähr zog ich mich an und lief aus dem Hause.

Dreizehntes Kapitel

Der Florentiner, der mich zu Tisch erwartete und mit dem ich dann in die Oper gehen sollte, wohnte mit seiner Mutter in der Via Alfieri. Er gehörte dem Kreise Frau Coroughdeens an. Auch er zog alsbald das Kursbuch hervor. Wir aßen nur so lange, als es Zeit bedurfte, die Victoria anzuspannen und fuhren dann mit Diener und Kutscher auf dem Bock nach der Pension Malocchio. Ich sollte mit dieser Doppelwache im Wagen bleiben, denn mein Parlamentarier bestand darauf, allein die Höhle meiner Mißgeschicke zu besteigen. Dem Säckchen, dem das blaue Band nur auf einer Seite anhing (es hätte sich wirklich nicht gelohnt, es anzunähen) entnahmen wir gerade so viel, als ich zur Rückfahrt nach Deutschland brauchte; mit den achtzehn schönen, runden, dicken Goldstücken, die als mein Lösegeld darin verblieben, zog er dann hinauf. Er blieb sehr lange. Die Luft war lau. Im Norden gab es wohl noch Schneegestöber und ein langes Hin und Her zwischen Winter und Frühling. Warum kam mein Abgesandter nicht zurück? Das Theater mußte bald zu Ende sein. Im dritten Akt hatte die Duse fast nichts zu tun. Da trat er hervor.

„Mein Koffer“, sagte ich. „Man gibt ihn heute abend noch nicht frei. Ich hatte einige Mühe mit dem Mädchen“, sagte er; auf seinen Wink fuhr jetzt der Kutscher wie ein Teufel los. „Dann ist es ja gar nicht eingesperrt.“ „Man ließ es mangelnder Beweise halber nach zwei Stunden wieder laufen.“ Ein Groll stieg in mir auf. „Es ist zu arg!“

„Wie?“

„Erzählen Sie doch!“

„Ich bin sehr lange ausgeblieben, Sie haben lange warten müssen. Aber es war so interessant und so unterhaltend, die alten Damen über Sie zu verhören. Sie machen sich gar keinen Begriff, welche Abneigung die ganze Pension für Sie gefaßt hat. Nein, wie Sie das in zwei Tagen fertig gebracht haben, alle Hochachtung! Es herrscht nur eine Stimme über Sie. Die fälschlich angeklagte Magd dagegen wurde umringt wie eine Diva. Sie erhielt sechsundvierzig Geschenke. Von Ihnen, meine Liebe, wollte sich jede schon beim ersten Blick des schlechtesten Eindrucks entsinnen. Ich gab mich natürlich nicht als Ihren Freund aus. Es hätte den Redefluß gestört.“ –

„Mein Koffer“, sagte ich.

„Ich kriege ihn schon frei. Lassen Sie die ersten Wogen der Rache sich legen. Es war da noch ein Freund der armen Person ...“

„Armen Person?“ fuhr ich auf. „Sie hat das beste Geschäft ihres Lebens gemacht. Schweigen Sie mir von der.“