„Denken Sie, ich habe mich heute auf dem Heimweg gefürchtet,“ sagte ich, als ich den Flügel schloß. Sie hob ihren kleinen Drachenkopf und sah mich teilnahmlos an. Man konnte sich nicht vergegenwärtigen, daß sie jemals ein Kind oder jung gewesen war, noch Vater und Mutter besessen hatte. Der Blick, den sie mir zuwarf, schüchterte mich ein. „Es war gewiß töricht,“ sagte ich. „Allerdings,“ erwiderte sie kalt. Sie mußte es wissen; lebte sie doch seit vielen Jahren in dieser Gegend und war mit ihr verwachsen. Italien, die Renaissance waren für sie das letzte Wort – Toskana und seine Hügel die Endstation der Schöpfung. Sie gebärdete sich selbst so gut es ging als Italienerin; nannte ihre Mädchen Cara, den Gärtner Caro, aß, lebte, wohnte à l’italienne, plagte ihr Pferd und litt keinen Hund.
Mit jedem Tage haßte ich sie mehr.
„Es ist spät,“ sagte sie.
Wir traten zusammen auf den Vorplatz. Hier blies die Zugluft von allen Seiten durch die lockeren Flügel der Haustüre herein. Der Regen prasselte auf das Dach und die Steinfliesen zeigten schon feuchte Stellen. Ich stieg müde und schweigsam die Treppe hinter der Hexe hinauf und schützte meine flackernde Kerze.
„Ich traf heute in den Uffizien Frau Coroughdeen,“ sagte ich; „sie fragte mich, warum ich denn nicht zu ihr kommen wollte.“
„Oh!“ Das ärgert sie! dachte ich froh.
Aber so leicht zog sie den kürzeren nicht.
„Mary Coroughdeen ist eine schöne, eine sehr schöne Frau,“ entschied sie mit schaler Unparteilichkeit und einem literatenhaften Unterton. „Sie ist sehr umringt und interessiert sich nicht für junge Mädchen.“
„Ja aber sie war es doch ...“
„Es ist natürlich,“ unterbrach sie mich, während ihre Halskrause ins Beben geriet, „daß sie Ihnen freundlich begegnete, da Sie unter meinem Dache sind.“