Der Maskierte ließ seine flammenden Augen über die Trümmerstätte gleiten, dann wendete er sich plötzlich und schritt nach dem Rande des Waldes.

Dort sah man drei Hügel, aber auf diese Hügel waren schwere Steine gewälzt, so schwer, daß sicherlich eine Anzahl starker Männer dazu gehört hatten, um diese Felsblöcke auf die Hügel zu wälzen.

Und wieder klang das dumpfe Stöhnen von den Lippen des Maskierten. Bei dem größten der Hügel warf er sich zu Boden. Und dieser Mann, der sonst wie von Eisen schien, der preßte jetzt völlig gebrochen seine Stirn auf die kahlen Felsblöcke.

„Da ruhen sie!“ keuchte er endlich. „Steine mußte ich hier auftürmen lassen, damit die Wölfe und die Bären die Toten nicht ausgruben. Die raubgierigen Bestien habe ich abgewehrt, aber die Gedanken kann ich nicht abwehren. Und immer wieder kommen sie und martern mich! Damals habe ich geglaubt, der Glücklichste der Menschen zu sein, und wie lange hat es gedauert, ein paar kurze Jahre, dann war alles dahin! O, die Hunde, die Bestien, die mein Glück vernichtet haben. Diese Elenden, welche ich auf dem ganzen Erdenball suchen will. Die auch mich zugrunde richteten. Die es dahin brachten, daß man mich wie einen gemeinen Verbrecher verfolgte. Mich, der in seinem ganzen Leben nichts anderes getan hat, als Menschenrechte hochgehalten. Das war diesen Schurken ein Dorn im Auge, sie wußten, wo sie mich trafen. Ha, die Nacht steht noch vor meinen Augen, als ich zurückkehrte und von fern die Feuersglut gewahrte, als ich, wie ein Rasender herbeistürmend, nur noch die Leichen meiner Lieben fand. Ermordet hat man sie, erbarmungslos ermordet. Alles, was ich besaß, vernichtet, mich aber hat man zum Geächteten erklärt, für einen Schurken, der den Tod durch Henkershand verdiente. Sie glaubten ja leichtes Spiel zu haben, diese Halunken, welche mich um mein Glück beneideten.“

„Faßt Euch, Herr,“ sprach der Inder, in dessen sonst so flammenden Augen helle Tränen glänzten. „Ihr macht Euch noch elend.“

„Nein,“ sprach der Mann, indem er sich hastig emporrichtete. „Ich habe es überwunden. Alles hat man mir genommen, alles, sie glaubten schon ihr Ziel erreicht zu haben. Aber eins konnten sie mir doch nicht nehmen, mein Genie und mein Wissen. Das war ihnen nicht möglich. Und das habe ich benutzt, damit habe ich jenes Fahrzeug erbaut, mit welchem ich den Ozean der Lüfte durchkreuze. Das Verweilen auf der Erde haben sie mir unmöglich gemacht, die Bestien, gut, jetzt bin ich der Herrscher der Lüfte geworden!“

Jetzt war dieser Mann wieder der Alte. Wohl streifte noch ein Blick furchtbarsten Schmerzes die steinernen Hügel, unter denen die Toten schlummerten, aber dann glühten seine Augen in einem furchtbaren Feuer. Es war das Feuer der Rache.

„Ja, an diesen Gräbern habe ich geschworen,“ fuhr er fort. „Da habe ich es gelobt, daß ich Rache nehmen will. Rache zunächst an den Schurken, die mich entehrten, die mich in den Augen der Welt zum Verbrecher stempelten, Rache an den Vernichtern meines Glücks, denen gilt zuerst mein Suchen. Aber dann kommen andere an die Reihe, überall will ich erscheinen, wo Unrecht getan wird. Ueberall will ich, Kapitän Mors, auftauchen, erscheinen wie der Blitz aus heiterem Himmel, mit meinem wunderbaren Fahrzeug, welches mir Macht verleiht, will ich als rächender Vergelter auftreten. Die ganze Erde will ich ruhelos durchkreuzen, nicht eher will ich sterben, als bis ich dieses Lebenswerk vollendet habe. Nur einmal noch mußte ich vorher die Stätte meines ehemaligen Glückes wiedersehen! Jetzt beginnt die Zeit der Rache!“

Er wendete sich hastig um und drückte die Mütze auf das braune Haar, mit festen Schritten wendete er sich von der ehemaligen Ansiedlung, die jetzt von allen Menschen gemieden zu werden schien.

„Herr, wo wollt Ihr die Elenden suchen?“ fragte der Inder. „Ihr wißt ja selbst noch nicht, wo Ihr sie finden könnt. Ihr habt diejenigen, die damals Euer Glück vernichteten, kaum gesehen. Wer weiß, was aus ihnen geworden ist. Auch sie sind vielleicht elend zugrunde gegangen!“