Als es aber nach anderthalb Stunden hell wurde, war alles ruhig, da war nichts zu hören und nichts zu sehen.

„Also gibt es auch hier ein Nachtleben,“ sprach der Professor zu Mors. „Eine nächtliche Tierwelt. Die lebt da drinnen in dem Dickicht und sicherlich war es ein Urvogel oder eine riesengroße Fledermaus, die während der Dunkelheit über unseren Häuptern dahinflatterte.“

Jetzt versuchte man in das unheimliche Dickicht einzudringen, aber das erwies sich als unmöglich. Der Boden war weich, durchlässig, wie ein Schwamm, beim ersten Schritt in das Dickicht mußte man bis an den Leib einsinken.

Als Lindo es dennoch versuchte, krachte und prasselte es neben ihm in dem undurchdringlichen Gebüsch, der Inder prallte zurück, aber er glaubte noch etwas unheimlich Großes gesehen zu haben, welches sich durch das Dickicht fortwälzte, dunkel, schleimig, ein Untier, welches offenbar sein Heil in der Flucht suchte.

„Sicherlich ist das eine der Rieseneidechsen gewesen,“ sprach der Professor. „Die hausen hier in dem undurchdringlichen Farrenwalde. Merkwürdig, daß uns der Koloß nicht angegriffen hat. Das ist ein Beweis, daß selbst diese Giganten vor dem Anblick der Menschen erschrecken. Wir mögen dem Riesentier allerdings sonderbar genug vorgekommen sein.“

Einer der übrigen Inder war inzwischen auf einer anderen Stelle in den Wald gedrungen, aber auch nur wenige Schritte vorwärts gekommen.

Er kehrte rasch zurück und erzählte, daß er ein schlangenartiges Ungetüm gesehen hätte, welches von einem der Farrenbäume herabglitt und dann spurlos in dem undurchdringlichen Unterholz verschwand.

„Nun, Professor?“ fragte der Kapitän. „Was sagen Sie dazu? Wollen wir wirklich in den Wald eindringen? Wir müßten allerdings schon wie die Affen von Baum zu Baum klettern. Aber wenn Sie Lust haben, ich bin dazu bereit.“

Der Professor bewunderte den kühnen Mann, der so kaltblütig in das furchtbare Dickicht hineinblickte. Er wußte, daß Kapitän Mors nicht scherzte, daß dieser mit ihm ging, wenn er den Wunsch aussprach, den schrecklichen Wald näher untersuchen zu wollen.

„Nein, ich denke, wir lassen es lieber,“ erwiderte der Professor. „Das hieße direkt mit dem Tode spielen. Ja, wenn der Tag länger dauerte, aber bei dieser kurzen Zeit würde uns ja wieder die freilich kurze Nacht überraschen. In der Nacht möchten wir den Ungetümen, die den Wald bewohnen, fast wehrlos gegenüberstehen. Auch weiß ich bereits genug. Dieser Planet befindet sich in einem Zustand, wie ihn die Erde auch durchgemacht hat, nämlich zur Zeit der großen Saurier und schließlich wird auch für diese Miniaturwelt die Zeit kommen, wo sich das allgemeine Lebensprinzip erfüllt, wo intelligente Wesen anstelle der Ungeheuer hier treten. Wer weiß, vielleicht ist der Keim zu menschenähnlichen Wesen in dieser kleinen Welt schon verborgen, vielleicht lebt schon ein Wesen in diesem Dickicht, aus dem sich dereinst ein vernunftbegabter Bewohner dieses kleinen Planeten entwickelt. Es gibt hier noch andere Dinge, die man erforschen kann, daher ist es besser, wenn wir umkehren.“