Friedrich von Schönburg[43] erkannte sogleich, nach Durchlesung dieses Briefes, die Gefahr in welcher der Prinz schwebte, und versprach ohne erst Genehmigung von seinem Bruder zu erholen schriftlich und bei seiner Ehre Verzeihung, wenn sie den Prinzen lebendig und unversehrt ausliefern würden. Hierauf eilte noch an demselben Tage v. Mosen und v. Schönfels mit dem Prinzen Ernst auf das Schloß Hartenstein, wo der Herr von Schönburg den Prinzen in Empfang nahm und die Ritter, seinem Versprechen gemäß, wieder frei erließ. Prinz Ernst aus Freude, daß er gerettet war, schenkte Wilhelm von Mosen und Wilhelm von Schönfels jedem ein Roß[44] mit den Worten: »Nun reitet hin und kommt in meines Vaters Land nicht wieder.«[45]
Denselben Tag, Freitags den 11. Juli 1455 wurde der Prinz Ernst nach Chemnitz gebracht, wo sich sein Vater, der Kurfürst, von Leipzig und seine Mutter, die Kurfürstin, mit dem schon geretteten Prinz Albrecht von Altenburg begeben hatte. Der Kurfürst bestätigte mit Freuden des Herrn von Schönburgs Verfahren, daß er Mosen und Schönfels begnadigt hatte.[46]
Die guten Eltern an der Seite ihrer geretteten Söhne hatten nun nichts Nothwendigeres zu thun, als ihrem Gott für deren Errettung inbrünstig zu danken. Sie reisten daher, den 15. Juli, nach Ebersdorf[47] 1½ Stunde von Chemnitz, weil sich dort ein Marienbild befand, das im besonderen Ansehen stand, und zu welchem man häufige Wallfahrten anstellte. Nach vollbrachter Andacht ließen sie die Kleider der Prinzen,[48] die sie auf ihrer Flucht angehabt hatten, wie auch den Kittel des ehrlichen Kohlenbrenners der seine Andacht auch mit verrichtete, zum immerwährenden Andenken in der Kirche zu Ebersdorf aufbewahren.[49] – Daneben hängt ein Täfelchen mit folgenden Reimen:[50]
»Kunz von Kauffungen der viel wilde Mann
In Meißner Land ist kommen an
Wohl auf das Schloß jen Altenburg
Sehr froh und kühn ohne alle Sorg
Dem Fürsten allda seine Kind
Entführet hat listig und geschwind
Des Kleider noch hier hängen seht
Ein jeder der fürüber geht
Die dazumahl bald nach der That
Der Vater hergehänget hat.«
Der Zahn der Zeit hatte diese Andenken des Prinzenraubes nach und nach ziemlich zerfressen und und sie würden bald ganz eingegangen sein, wenn nicht Kurfürst Christian II. 1607 aufs neue für ihre Fortdauer Sorge getragen hätte. Er befahl nämlich, sie in weißes Wachs einzutauchen und so vor die Verwesung etwas zu sichern. Allein es geschah nicht. Deswegen schickte er 1608 seinen Baumeister Maria Nosseni nach Ebersdorf[51] der sie denn reinigen und durch Gummiwasser ziehen ließ.
Die Kurfürstin stiftete außerdem noch auf alle Dienstage, Marienfeste und den nächsten Tag nach Kiliani in der Kirche zu Ebersdorf Messen und Almosen für zwei arme Leute, besonders Köhler.[52]
Nun waren also beide Prinzen befreit, doch Kunz von Kauffungen, welchen die beiden Ritter Mosen u. Schönfels in ihrem Begnadigungsschreiben an Friedrich von Schönburg ausgeschlossen hatten, ohne dem heiligen Schwur eingedenk zu sein, welchen sie gegenseitig geleistet hatten, war, wie oben schon gesagt worden ist, nach Freiberg gebracht worden. Hier saß nun Kunz glaubend, daß die andere Partei mit dem älteren Prinz Ernst auf sein Schloß Isenburg in Böhmen wohlbehalten angekommen wäre und ihrem Versprechen eingedenk sein würde. Allein als er die Glocken in Freiberg läuten hörte und nach der Ursache frug und vernahm, daß es aus Dankbarkeit für die glückliche Errettung beider Prinzen geschehe, entfuhren ihm die Worte: »Das walt der Teufel, das gilt mir mein Leben.«[53] Daraus war natürlich zu schließen, daß er befürchtete, sein Leben einbüßen zu müssen. Darum wandt er nun alles an, um durch seine vornehmen Freunde, Begnadigung zu erhalten, besonders durch den Marschall Hildebrand von Einsiedel und die Ritter Niklas von Schönberg und Hugold von Schleinitz, die am kurfürstlichen Hofe sehr bedeutende Stimmen hatten, doch wie man aus folgendem sehen wird, war es zu spät.
Mehrere Schriftsteller behaupten auch Kurfürst Friedrich hätte in Magdeburg, Leipzig und Freiberg rechtliche Erkenntnisse geholt, allein dies war der kurzen Zeit wegen unmöglich und der damaligen Zeit nicht anpassend, daher ist es glaubwürdiger, daß der Kurfürst das Urtheil darüber dem Freiberger Rathe überlassen, indem der Rath zu Freiberg die Gerechtsame dazu hatte.[54]
Das Urtheil entschied für die Todesstrafe.[55] Kunz von Kauffungen wurde daher den 14. Juli (26. Juli) Montags nach Magaretha, Nachmittags um 4 Uhr zu Freiberg auf dem Obermarkte öffentlich enthauptet. Als Zeugen waren da der Köhler, Georg Schmidt, und einige andere Köhler. – Der Ort, wo die Hinrichtung geschah, ist noch durch einen Stein bezeichnet.[56] Noch auf dem Schaffote sagte er, daß er seinen schimpflichen Tod an den Nürnbergern verschuldet habe.[57]