Seine obengenannten Freunde brachten es nach mehrfachen Bitten bei dem Kurfürsten endlich doch so weit, daß er begnadigt wurde; allein der reitende Bote, der die Begnadigung dem Freiberger Rathe verkündigen sollte, kam zu spät; indem die Thore der Hinrichtung wegen schon geschlossen waren.
Manche Schriftsteller zweifeln an Kunzens Begnadigung, weil sein Bruder Dietrich von Kauffungen, der die Strickleitern zu dem Prinzenraube in seiner Scheuer fertigen ließ und einst gesagt haben soll: »Das Nest würden sie wohl finden, aber die Vögel wären ausgenommen,« ebenfalls zu Altenburg, zwischen den 20. und 26. Juli enthauptet wurde, der bei weitem nicht die Schuld dabei hatte, als sein Bruder. –
Allgemeine Erbitterung bewirkte die schnelle Verurtheilung des Kunz von Kauffungen, besonders unter der Ritterschaft, in der er so hohe Verwandte und Freunde hatte. Sein Oheim der damalige Bischof von Meißen, Casper v. Schönberg veranstaltete sogar ein feierliches Begräbniß desselben, ließ ihn in der St. Petrikirche zu Freiberg beisetzen und sein Grab erhielt einen Leichenstein. Allein das erregte unter den Regenten großes Mißfallen, besonders Herzog Wilhelm war dagegen; daher durfte sein Leichnam in der Kirche nicht bleiben, sondern erhielt seine Ruhestätte dafür auf dem Kirchhofe zu Neukirchen bei Freiberg. Der Leichenstein aber blieb in einem Winkel der St. Petrikirche stehen.[58]
Seine übrigen Mitgenossen verloren meistentheils ihr Leben durch das Schwerdt; ausgenommen der böhmische Küchenjunge, Hans Schwalbe, der den 28. Juli zu Zwickau mit glühenden Zangen gezwickt und dann geviertheilt wurde, und Kunz v. Kauffungens treuer Reißiger, Johann Schweinitz, der gehangen wurde. –
Nach diesen harten Bestrafungen erfolgten aber auch Belohnungen, die der Kurfürst dem Köhler, Georg Schmidt, zu Theil werden ließ.[59] Er erhielt von ihm die Erlaubniß sich eine Gnade auszubitten – und die bescheidene Bitte des Köhlers bestand darin, die Erlaubniß zu erhalten in dem Walde, wo er den Prinz Albrecht gerettet hätte, frei Kohlen zu brennen. Nicht allein diese Bitte erhielt er erfüllt, sondern der Kurfürst schenkte ihm auch sogleich nach der That für sich und seine Nachkommen ein Gnadenkorn, welches aus 4 Scheffel Zwickauer Maaß oder 5 Scheffel 2 Viertel und 3 Metzen Dresdner Maaß besteht. Noch jetzt erhält das älteste Mitglied dieses Geschlechts in männlicher Linie dieses Gnadenkorn aus dem Rentamte zu Zwickau.[60] Später erhielt er auch ein Freigut im Dorfe Eckartsbach[61] bei Zwickau. Die Besitzung ist aber durch verderbliche und langwierige Kriege von der Familie wieder abgekommen.
Als Georg Schmidt alt und schwach ward, nahm ihn sogar der Kurfürst an den Hof nach Altenburg und dadurch, daß er bei seiner Erzählung des Prinzenraubes sich immer der Worte bediente: »Herr, ich habe den Kunzen mit meinem Schürbaum weidlich getrillert,«[62] die er oft wiederholen mußte, erhielt er und seine Nachkommen den Namen Triller. –
Die übrigen Köhler, welche bei dem Rettungsacte durch den Lärm von Georg Schmidts Frau herbeigekommen waren, erhielten ebenfalls Belohnungen, die wahrscheinlich in Gelde bestanden, doch aus Mangel an sicheren Nachrichten hier nicht aufgeführt werden können.
Nur so viel ist gewiß, daß als Herzog Albrecht im Jahre 1480 die Gegend des Befreiungsactes bereiste, in Elterlein[63] noch drei Köhler traf, welche bei seiner Befreiung aus Kunzens Händen thätig gewesen waren. Sie hießen Wyland, Fischer und Urban Schmidt, letzterer damals der Köhlerbursche Georg Schmidts, und erhielten, nachdem sie dem Herzog Albrecht den Ort seiner Errettung gewiesen hatten, eine gute Ritterzehrung.[64]
Zum ewigen Andenken der Begebenheit des Prinzenraubes ließ Kurfürst Friedrich eine Münze schlagen, die aber äußerst selten ist.[65] Auch schreibt Vulpius l. c. §. 35., wie sich in Schreiter a. a. O. pag. 109. befindet: