Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehöret hätt, da verhieß er GOTT, er wölle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund würde von seiner Krankheit und was höre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wäre tot vor dieser Zeit.
Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem Allmächtigen, daß Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er nun gebetet hätt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein Kranker, damit er seinem Verheißen genug tät.
Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu besuchen, da ersah sie ihn, daß er neulich war kommen. Und hieß ihn auf stehen, wusch ihm seine Händ und Füße und küsset ihn, wie sie gewohnt war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schöne weiße Tücher unter und hieß ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: „Alles, was ihr notdürftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr bald gesund werdet.“ Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr kamen.
Wie der Peter lag in einem Spital in der Inseln, der Heiden Port genannt, des die Schön Magelona ein Stifterin war.
Als der Peter in diesem Spital ein Zeit lang ruhet, nahm er an seiner Gesundheit sehr zu, wann die Spitalerin tät sein wohl warten. Er verwundert sich auch ihrer großen Mühe und Arbeit, die sie ihm tät, und saget in seinem Herzen: „Ohn Zweifel soll diese Frau eine heilige Person sein.“
Nun begab sich eines Tages, daß der Peter gedacht an seine aller liebste Magelona, und fing an, bitterlich zu seufzen und weinen, und sprach: „O allmächtiger ewiger GOTT, so Du mich durch Deine Mildigkeit ließest wissen von meinem aller liebsten Gemahel, der Schönen Magelona, wollte ich meines Leides alles vergessen und geduldiglich getragen haben. Wie wohl, allmächtiger GOTT, ich verdient und verschuldet habe, Ärgers zu leiden. Wann ich bin gewesen ein Ursach ihres Hinziehens von Vater und Mutter und ihrem Königreich. Auch bin ich ein Ursach, daß die wilden Tier sie haben gefressen, die doch also hübsch und schön war, und so GOTT sie aus sonderer Gnaden nicht hat behütet. Und ob sie tot wäre, so bitte ich Dich, Du wollest mich auch nicht lang in dieser Welt lassen leben; wann ohn sie wird mein Leben aller Schmerzen voll sein. Ich begehre lieber, zu sterben als zu leben ohn sie.“ Als er solches saget, da ließ er einen großen Seufzer.
Nun ging die Magelona von einem Kranken zum andern, wie sie gewohnet war, und als sie kam zum Peter und solches Seufzen von ihm vernahm, da gedacht sie, ihm fehle was, oder wäre wieder schwach geworden. Und sprach zu ihm: „Lieber guter Freund, was fehlet euch? So ihr was wollt haben, zeiget es an! Es soll euch werden, und da will ich kein Geld sparen.“
Da danket ihr der Peter und antwortet, es fehle ihm gar nichts. Und wie der Kranken und Betrübten Gewohnheit ist, wann sie gedenken an ihr Unglücke, so beklagen sie sich und haben kein größer Leichterung ihres Herzens, dann also zu betrachten. Als die Spitalerin ihn höret reden von dem Unglücke, da fing sie an, ihn freundlich zu trösten, und fraget ihn um sein Trübsal.
Da saget ihr der Peter alles sein Anliegen, doch nennet er niemand und sprach: „Es ist gewesen ein reicher Sohn, der höret reden von einer schönen Jungfrauen in fremden Landen; der verließ Vater und Mutter und zog hin, sie zu sehen. Also gab ihm das Glücke, daß er ihr Lieb erlanget ganz heimlich, daß es niemand vernahm. Er nahm sie zu der Ehe und führet sie heimlich hinweg von Vater und Mutter. Darnach verließ er sie, in einem wilden Walde schlafend liegen, zu überkommen seine Ringe.“ Und zeiget ihr alles seine Geschichte an bis auf die Zeit, da er kommen war in das Spital. Durch solche Wort die Schön Magelona wohl verstund, daß er der Peter, ihr aller liebster Gemahel, war, den sie so oft zu sehen begehret hätt; und erkennet ihn in allen seinen Gebärden. Und von großer Freude fing sie an zu weinen. Doch wollte sie sich zur Zeit noch nicht gegen ihm entdecken; aber aufs Freundlichste, so sie zu tun vermochte, fing sie da an, mit ihm also zu reden: