Als die Amme also von dem Ritter aus der Kirchen ihren Abschied nahm, ging sie des nächsten der Schönen Magelona Kammer zu. Die war sehr krank von großer Liebe, die sie zu dem Ritter hätt, und lag also zu Bette, wann sie mocht an keinem Ende Ruh haben. Und als bald sie die Ammen ersah, stund sie auf und sprach zu ihr: „Mein aller liebste Amme, sei mir willkommen! Ach wehe! bringest du mir nicht gute Zeitung von ihm, den ich also liebe? Fürwahr, liebe Amme, gibst du mir nicht einen getreuen Rat, damit ich ihn sehe und mit ihm rede, so muß ich sterben.“

Als die Amme solche Rede vernahm, saget sie zu ihr: „Mein edeles Fräulein und aller liebste Tochter, ich will euch einen solchen Rat geben, darvon ihr sollt fröhlich werden; und, ob GOTT will, werdet ihr erkennen und erfahren, daß ich euch von Herzen lieb habe.“

Da die Schön Magelona solches von ihrer Ammen höret, sprang sie vor großen Freuden ihres Herzens aus dem Bette auf das Erdreich, halset und küsset sie und sprach zu ihr: „Mein aller liebste Amme, sage mir neue Zeitung!“

Da fing die Amme ihr an zu sagen, wie der Ritter zu ihr wäre kommen, und hätte gesaget und angezeigt den großen Willen, den er zu ihr trüge, daß er vor Liebe schier müsse sterben. Und saget: „Glaubet mir fürwahr, aller liebste Tochter, habt ihr von seinen wegen große Schmerzen, so trägt er von euert wegen nicht weniger Schmerzen. Und ob aller Liebe, die er in euch gesetzt hat, ist die seine treulich und züchtig, auch ehrlich gegen euch; darum ich gar erfreuet bin. Und wisset, mein aller liebste Tochter, daß ich nie gehöret habe einen also jungen Ritter, der so weislich redet als er. Ohn allen Zweifel wird er eines großen und hohen Herkommens sein. Es hat auch diese Gestalt mit ihm: er begehret auf Erden nicht mehr, dann in geheim mit euch alleine zu reden. Da will er euch alles sein Anliegen und Wesen entdecken. Er will auch tun, was ihr ihm gebietet, und befiehlt sich euch in aller Untertänigkeit, und bittet, ihr wollet ihm einen Tag bestimmen und einen Ort, da er euch sein Herz und Gemüt möge eröffnen; wann er keinem Menschen sonst solches sagen will. Er bittet euch auch, ihr wollet diesen Ring gnädiglich von ihm annehmen und von seinen wegen behalten.“

Da die Schön Magelona solche gute und fröhlich neue Zeitung höret, auch den Ring sah, der schöner und kostlicher war, dann der erste, da verwandelt sich ihr Farbe vor Freuden und ward rot. Und sprach zu der Ammen: „Wisse, du aller liebste Amme, daß dies der Ring ist, darvon mir getraumet hat die vorige Nacht; wann mein Herz saget mir nichts, das nicht geschähe. Und glaub sicherlich ohn allen Zweifel, daß dies der Ritter ist, der mein Gemahel und Mann soll werden. Ohn ihn kann ich auch kein Lust noch Freude haben. Darum ich dich freundlich bitte, du wollest Rat suchen und erdenken auf das Beste, so dir möglich, mit ihm zu reden; wann ich kann nicht länger verziehen. Hierum, mein aller liebste Amme, suche Mittel, daß ich ihn sehen möge nach meinem Gefallen, und mit ihm reden. Wann ich hab große Hoffnung, durch solche Mittel zu kommen zu einem seligen Ende meines Begehrens. Ich verheiße dir auch hiemit, du sollst es nicht entgelten.“

Da verhieß ihr die Amme, nichts zu sparen und allen möglichen Fleiß für zu wenden, damit dies alles wohl ausgerichtet würde. Also blieb die Schön Magelona den ganzen Tag und die Nacht fröhlicher dann vorhin, beschauet und behielt ihre Ringe, so ihr von dem Ritter geschicket waren, und danket ihm in ihrem Herzen dieser Gaben. Itzunder stecket sie die Ring an ihre Finger, nach mals küsset sie die, und vertrieb also ihre Weil und Zeit darmit.

Wie die Amme wieder mit dem Ritter zu reden kam.

Da es nun kam auf den anderen Tag, bemühet sich die Amme, den Ritter an zu sprechen, und fand ihn in der Kapellen, in welche er pfleget zu gehen. Und als er sie ersah, ward er fast fröhlich, wann er verhoffet, was von der Schönen Magelona zu erfahren. Stund auf und ging ihr entgegen, grüßet sie gar freundlich und höflich. Da antwortet sie ihm wieder und sprach: „GOTT gebe und verleihe euch zu überkommen, was euer Herze begehret.“

Darnach fraget sie der Ritter, was die Schön Magelona begönne, und fraget, ob er in ihren Gnaden wäre. Da antwortet die Amme ihm und saget: „Edeler und aller liebster Ritter, glaubet mir sicherlich, daß itzunder in dieser Welt kein Ritter ist, der je Harnisch führet und Ritterspiel brauchet, der also glückselig ist als ihr. Selig ist auch gewesen die Stunde, da ihr hieher in dies Land seid gekommen; wann durch euer redlich Tapferkeit habet ihr erlanget und überkommen die schönste Jungfraue dieser Welt. Euch ist auch nie kein größer Glücke widerfahren, wann ihr habet gewonnen ihre Gnad und Liebe. Sie tut euch danksagen um den Ring, den ihr durch mich ihr neulich überschicket, will ihn auch von euert wegen behalten. Sie begehret auch, euch herzlich zu sehen und freundlich mit euch zu reden. Ich bin auch wohl zufrieden, daß solches geschehe. Jedoch werdet ihr mir verheißen bei Edelmanns Treue und Glauben, daß in euer Liebe nichts anders sei, dann Zucht und Ehr, wie dann geziemet einem jeden euers hohen Standes.“