Sprach sie zu ihm: „Ich danke euch. Ich will auch alles, so ihr mir befohlen, treulich ihr anzeigen, verhoffe auch, eine gute Antwort euch wiederum zu bringen. Doch kann ich nicht verstehen, wie ihr solche Lieb vermeinet. Wann so ihr's verstündet für eine törichte und unzüchtige Liebe, so schweiget hinfürder, und redet nichts mehr davon.“
Da sprach der Ritter zu ihr: „Liebe Frau, ich müßt eines bösen Todes sterben, so ich je an eine solche Lieb oder Schande gedacht habe; sondern an eine ehrliche züchtige und treuliche Liebe, darinne ich ihr gerne wollte dienen.“
Als die Amme solches gehöret, saget sie: „Edeler Ritter, ich verheiß euch hiemit, die Sache gegen ihr treulich aus zu richten. Dieweil ihr aber itzunder mir anzeiget, ihr wolltet sie lieben aus züchtiger getreuer Liebe, warum verberget ihr dann euern Namen und Geschlecht vor ihr? Wann ihr möget vielleicht solches Adels und Geschlechtes sein, es würde zwischen euch mit GOTTes Hilf eine Eh beschlossen. Wann sie liebet euch aus ganzem Herzen, ihr hat auch getraumet von euch; und wann wir zwei bei einander alleine sein, so redet sie und ich alleine von euch.“
Da er solches hört, sprach er zu ihr: „Liebste Frau, dieweil ihr mir also viel gesaget, bin ich erfreuet worden. Und bitte euch freundlich, ihr wollet verhelfen, damit ich mit ihr zu reden kommen möge. So will ich ihr sagen mein Geschlechte, und alles, so sie von mir zu wissen begehret. Ich verhoffe auch, so sie mich gehöret hat, sie werde mich nicht verachten. Aber einem andern Menschen sage ich's nicht, ausgenommen ihr alleine.“
Da sprach die Amme zu dem Ritter: „Ich will's ihr sagen, wie ihr mich berichtet; will auch verhelfen, damit ihr mit ihr zu reden kommet.“
Da ward der Ritter noch größer erfreuet ihrer Zusage und sprach: „Liebste Frau, ich danke euch eures Erbietens, und bitt euch freundlich, so es euch geliebet, ihr wollet diesen Ring, der wenig geacht ist, ihr von meinen wegen freundlich überantworten. Und so sie den selben von mir wird annehmen, werde ich's für eine sonderliche Gnade achten. Wann ich besorge, der vorige Ring sei nicht nach dem, als ihr wohl gebühret. Ihr wollet mich ihr auch untertäniglich befehlen.“
Da sprach die Amme: „Dieweil ich also erkennet habe euer edeles Herz, will ich ihn überantworten von euert wegen. Will auch ihr befehlen und Fleiß fürwenden, damit ihr mit ihr zu reden kommet.“
Da sprach der Ritter: „Ich dank euch euers Erbietens.“