Frankfurt und Leipzig,
in Kommission bey H. L. Brönner.
1780.
Europäischer Fasan
Der Name des Fasans kündigt schon sein Vaterland an. Denn der Vogel vom Fasis war, wie man sagt, vor der Reise der Argonauten nur in Kolchis. Da aber diese Griechen auf ihrer Reise nach Kolchis den Fasis beschifften, sahen sie diese Vögel in Menge an den Ufern des Flusses und beschenkten damit ihr Vaterland.
Noch heut zu Tag kennt man keine schönere Fasanen, als die von Kolchis oder Mingrelien und einigen andern benachbarten Gegenden. Von da aus haben sie sich auf der einen Seite durch Griechenland nach dem Occident, vom baltischen Meer an bis an das Vorgebirg der guten Hoffnung und Madagaskar, und auf der andern durch Medien in den Orient bis an das Ende von China und Japan, und selbst in die Tartarey, ausgebreitet. Es scheinet, daß Medien, welches den Vögeln so günstig ist und wo man die schönsten Pfauen, Hühner ⁊c. findet, ein neues Vaterland für die Fasanen gewesen seye, welche sich daselbst so sehr vermehret haben, daß dieses Land allein viele andere Länder damit versehen konnte, wie man aus dem Zeugnisse des Athenäus ersehen kann. Sie sind in sehr groser Menge in Afrika, besonders auf der Sklaven-, Gold- und Elfenbeinküste, und in den Königreichen Kongo und Angola, wo die Negern sie Galignoles nennen. Man findet sie ziemlich häufig in verschiedenen Gegenden von Europa, in Spanien, in Italien, zumal um Rom, im Mayländischen und einigen Inseln des Golfo von Neapel, in Deutschland, Frankreich und England. In diesen letztern Gegenden aber sind sie nicht allgemein ausgebreitet. Die Verfasser der brittischen Zoologie versichern ausdrücklich, daß man in ganz Grosbritannien keinen einzigen wilden Fasan finde. Sibbald stimmt mit ihnen überein und sagt, in Schottland zögen einige Edelleute diese Vögel in ihren Häusern. Boter sagt, in ganz Irland gebe es keine Fasanen. Linne erwähnt ihrer in seiner Fauna Suecica nicht. Zu Schwenkfelds Zeiten waren sie in Schlesien noch sehr selten; und, nach Klein, ist es nicht viel über 20 Jahre, daß man sie in Preussen hat, ob sie gleich in Böhmen in groser Menge sind. Sachsen hat die Vermehrung derselben dem Herzog Friedrich zu verdanken, welcher, nach Aldrovands Bericht, 200 fliegen ließ, mit dem scharfen Verbott, keinen zu töden oder zu fangen. Gesner, welcher die Schweizergebirge durchreiset hatte, versichert, er habe niemals einen gesehen. Stumpf sagt zwar im Gegentheil, man finde sie in diesen Gebirgen; es kann aber seyn, daß man sie in einem gewissen Kanton antrift, dahin Gesner nicht gekommen war, z. E. in dem Theil, der an das Mayländische gränzet, wo, wie Olina sagt, die Fasanen sehr gemein sind. In Frankreich haben sie sich bey weitem nicht überall ausgebreitet. In den mitternächtigen Provinzen siehet man sie sehr selten, und man würde sie vielleicht daselbst gar nicht sehen, wenn man nicht alle erdenkliche Sorgfalt auf sie wendete. Dieses macht, daß Büffon sehr an den zween Fasanen zweifelt, die Regnard in Bothnien will getödet haben, eben sowohl als an denen, die, nach dem Olaus Magnus, sich in Skandinavien aufhalten, daselbst den Winter zubringen und unter dem Schnee ohne Nahrung leben sollen. Diese Art, den Winter zuzubringen, hat mehr Aehnlichkeit mit den Gewohnheiten der Auerhühner und Schneehühner, als der Fasanen, so wie sich auch der Name Waldhühner, den ihnen Olaus gibt, besser für Auerhühner schickt. Wir finden schon bey Scheffern in seiner Beschreibung von Lappland, daß er diesen Irrthum eingesehen: denn er sagt ausdrücklich: „Etliche nennen diese Art, Fasanen: allein es sehen die Fasanen ganz anders aus, wie jeder weiß;“ daher er sie für Birkhühner erklärt. Die Vermuthung des Herrn von Büffon gewinnet auch dadurch mehr Stärke, daß weder Linne, noch irgend ein anderer guter Beobachter, gesagt hat, er habe in den mitternächtigen Ländern wahre Fasanen gesehen; und Pontoppidan, der alle Vögel, von denen er in Norwegen Nachricht bekommen konnte, sorgfältig aufzeichnete, spricht kein Wort von diesem.
Dieses vorausgesetzt, darf man nur bemerken, daß der Fasan kurze Flügel und folglich einen schweren und nicht sehr hohen Flug hat, um daraus den Schluß zu machen, daß er nicht über die Meere, die zwischen den heisen oder nur gemäsigten Gegenden der alten Welt und Amerika sind, kommen konnte. Und dieser Schluß ist durch die Erfahrung bestätigt: denn in der ganzen neuen Welt hat man keinen wahren Fasan gefunden, sondern blos Vögel, die aufs höchste so konnten angesehen werden, als ob sie Fasanen vorstellen sollten, indem die wahren Fasanen, die nun in St. Domingo häufig sind, sowie die Pfauen und Perlhühner, durch Europäer dahin gebracht wurden.
Der Fasan ist von der Gröse des gemeinen Hahns und kann es einigermassen, in Absicht auf die Schönheit, mit dem Pfauen aufnehmen. Er trägt sich eben so edel, sein Gang ist eben so stolz und sein Gefieder fast eben so schön. Der chinesische hat sogar glänzendere Farben; es fehlt ihm aber das Vermögen, sein schönes Gefieder auszubreiten und ein Rad zu machen. Ueberdiß fehlt ihm der Busch des Pfauen und sein gedoppelter Schwanz, wovon der kürzere aus wahren Ruderfedern, der längere aber aus Deckfedern bestehet. Ueberhaupt scheint der Fasan nach einem nicht so leichten und niedlichen Modell gebildet zu seyn, indem er einen untersetztern Körper, einen kürzern Hals, dickern Kopf ⁊c. hat.
Was bey dem Fasan am merkwürdigsten ist, sind zween scharlachfarbige Flecken, in deren Mitte die Augen angebracht sind, und zween Büsche grün vergoldeter Federn, die sich zur Zeit der Liebe auf beyden Seiten über den Ohren erheben. Diese Büsche sind, allem Ansehen nach, das, was Plinius bald Ohren, bald Hörner nennet. Man fühlet an ihrer Grundlage eine Erhöhung, die durch den Hebemuskel entstehet. Ueberdiß hat der Fasan an jedem Ort Federn, deren er sich bedient, die Ohrenöffnung, die sehr gros ist, zu schliessen oder aufzumachen.