Es wäre nun auch noch vom Kochzeug zu reden. Ich will gar nicht behaupten, daß es nicht noch besseres Kochgeschirr und praktischere Apparate gebe als die, welche ich im Gebrauch habe. Aber ich persönlich habe nur die besten Erfahrungen mit den Aluminiumausrüstungen von Ecklöh in Lüdenscheid gemacht!
Die Zupfgeige ist kein so unentbehrliches Geräte beim Wandern, daß man da besondere Ratschläge geben müßte. Es wird auch schon so genug gezupft, und bei all dem Guten, was die wiederauflebende einfache Kunst unserer Urgroßeltern mit sich gebracht hat, an dem Stück spielerischer Unwahrheit, dem »Holdrio«-Ton und so manchem anderen Gespielten ist die Zupfgeige zum Teil schuld. Es gibt Wanderer, deren innerer Mensch an ihrer guten Stimme und an ihrer schönen Zupfgeige langsam, aber sicher zugrunde geht.
Also hüte dich! Das Wandern ist mehr als das Zupfgeigen. Und nun noch ein Wort zum Preis des Rucksacks. Das Schönste am Rucksack ist das Glück des Bündelschnallens, jene selige Unrast – nicht die unselige Hast! –, die uns beschleicht, wenn es endlich nicht mehr zu bezweifeln ist, daß wir gehen können. Denn was kommt nicht immer noch alles dazwischen, besonders bei uns älteren Semestern!
Wenn nun der »Bündelestag«, wie sie im Wald droben sagen, da ist, dann wird der Rucksack lebendig, der alte, treue, höchst unfein dreinschauende Rucksack! Alles, was er mit uns erlebt, schwebt aus seinem wettergebleichten, einmal grasgrün gewesenen Segeltuch heraus und sagt viele, viele Male: »Weißt du noch?«
Ach, wenn ich an den Lederranzen, an die ungefügige Reisetasche denke, die auch noch Scheffel, der Bruder Josephus vom dürren Ast als Juniperus durch die Täler da oben trug, und an den damals vorgeschriebenen »achteckigen« Reiseschal, wie groß wird dann die Bewunderung vor dem genialen Erfinder dieser einfachsten aller Wandertaschen, des Rucksacks, dieses Gehäuses für alles, was eines Wanderers Herz begehrt und braucht. Tintenkleckse, Harzflecken, die Spuren zerbrochener Toilettenwasserfläschchen (denn auch ich war einst in Arkadien geboren!) und so vieles andere zeugt vom bewegten Leben seines richtigen Wandererherzens, und an allen Lasten des Erdendaseins hab' ich schwerer getragen als an meinem jetzt graugrünbraunen Rucksack, der – nach dieser schönen Rede! – alle Brüder von ähnlich bewegter Vergangenheit hiermit grüßen läßt. Er ist ein Wissender geworden in all den Jahren, aber er liebt das Schweigen – Gott sei Dank – mehr wie sein Herr, der über all das »schreiben« muß.
3. Von den Schuhen und den Füßen.
Beide sind des Wanderers eigentlichster Lebensuntergrund. Es ist niemals ganz gleichgültig, auf welchem Fuße wir leben, aber für den Wanderer wird die Fußfrage zur Alternative: Sein oder Nichtsein! In unserem Falle heißt das: Wandern oder Nichtwandern.
Es ist etwas Erhebendes, wenn der Mensch nach dem schönen Wort des Dichters das Haupt in den Wolken trägt; wenn er aber hinter einer morgenfrischen, trittfesten Schar junger Wanderer, bei allem Heroismus der Schmerzüberwindung, doch so vorsichtig einhergeht, als ob die Straße voll frischer Eier läge, so ist solches nicht sehr erhebend. Die Grenzen unserer Bedürfnisse, soweit sie der Rucksack enthält, sind dehnbar und von unserer Persönlichkeit und unserem Vorleben abhängig; aber unerbittlich sind die Satzungen für unsere Füße, die zwar des Wanderers treueste Diener, aber auch seine Despoten sind. Sie entscheiden über sein Wohl und Wehe. Jedem Rekruten wird es unter Mithilfe von ernstlichen Suggestionen in der Richtung von drei Tagen Mittelarrest beigebracht, daß der Schutz des Vaterlandes im innigsten Zusammenhang stehe mit dem Zustande seiner »Untertanen«. Und doch, wie mancher Jüngling und wie manche Jungfrau zogen schon aus, um bereits am ersten Tag der Wanderschaft ihr Damaskus zu erleben, d. h. ihre Bekehrung zum einzigen Götzendienst, den der Wanderer mit den Gliedmaßen seines Körpers treiben darf. Die Fußpflege ist das Abc der Wanderkunst, so peinlich das poetisch veranlagte Gemüter auch berühren mag. Vor allem ist die Ferse jedes Wanderers seine – man vergebe diesen sachlich einwandfreien Kalauer! – Achillesferse. Schon manchmal ist einer wegen einer einfachen Wasserblase auf der Strecke geblieben, und andere, härtere Naturen, die sich nicht ergaben, wissen, wie eine solche Lappalie uns völlig genußunfähig machen kann. Keinem passiert es zum zweitenmal.