Der Fuß des Wanderers soll vor dem Antritt jeder größeren Tour eine zweckentsprechende Behandlung erfahren; zunächst durch kleine und stufenweise in Dauer und Schwierigkeit wachsende Märsche, sodann durch Abhärtung und schließlich durch Gewöhnung an den Wanderschuh.

Die heute so beliebte Abhärtung durch Barfußgehen oder durch das Tragen von Sandalen macht die Fußhaut zwar unempfindlicher gegen Wind und Wetter, aber desto empfindlicher gegen die während einer langen Zeit nicht mehr in Betracht gekommene Reibung der oberen Fußhaut an den Schäften geschlossener Schuhe. Andere als geschlossene Schuhbekleidung kann aber beim Wandern nicht in Betracht kommen. Das lästige Eindringen von Sand und Steinen in die Sandalen und Halbschuhe ist auf die Dauer nicht auszuhalten.

Tafel V

Chr. Meisser phot.

Märzensonne im Bergwald

G. Urff phot.

Waldlichtung im Hochsommer

Wer sodann glaubt, mit Stiefeln, die er am Abend vor dem Abmarsch in der Hast gekauft hat, zum Ziele zu kommen, der kennt noch nichts von der guten Behandlung, auf welche die Füße beim Wandern grundsätzlich Anspruch machen. Sie wollen gut ausgetretene, aber doch noch gut anliegende Schuhe haben, mit denen sie schon vor der Wanderung ein ungestörtes und angenehmes Verhältnis eingehen konnten, und sind auch in bezug auf Socken und Strümpfe gar nicht bescheiden. Fünf Paar wollene Socken von verschiedener Dicke, deren Fersen und Zehenstück mit Salizyltalg eher zu reichlich als zu dürftig einzufetten ist, sind das mindeste für den eisernen Bestand eines ehrlichen Wanderrucksacks. Gelegentliches Waschen der Füße mit Ameisenspiritus oder ähnlichen Hausmitteln ist ebenso zu empfehlen wie Massage. Für einen Unfug halte ich das täglich häufige kalte Baden der Füße in jedem Waldbach wie auch die täglichen heißen Fußbäder (wenn man nicht gerade herzleidend ist). Schweißfüße sind nicht zu heilen. Für den Nebenmenschen und sich selbst sind ihre unangenehmen Kennzeichen nur durch häufigen Wäsche- und Schuhwechsel zu mildern. Das ist eine Forderung der einfachsten Höflichkeit. Darin sind uns andere Völker, z. B. die Japaner, weit überlegen. So störend die Nachsendungen durch die Post für einen Wanderer, der auch dem Zufall sein Recht lassen will, sein mögen, gelegentlicher Ganzersatz von Schuhen und Socken ist auf einer mehr als zwei Wochen dauernden Wanderung kein Luxus, sondern hygienische Selbstverständlichkeit. Denn die Schweißmengen, die ein Paar 14 Tage lang ohne Wechsel getragene Schuhe aufnehmen und die daraus entstehenden Düfte sind ebenso ungesund als lästig.