Kirchbauna bei Cassel.
Ich sage nichts gegen das Photographieren einzelner begabter Amateure. Ich besitze selbst eine Sammlung von geschenkten Lichtbildern, deren Durchsicht mir schon mehr als einmal nicht nur immer wieder neue Erinnerungswerte zum so und so vielten Male verschaffte, sondern auch jenen fast an die Grenze des Kunstgenusses grenzenden Genuß bereitete, der von untheatralischen, mit keuschen Sinnen und mit zarten Fingern aufgenommenen und liebevoll »entwickelten« Photos ausgeht. Ich rede also nur gegen die neue Naturkleptomanie der wandernden Nurknipser, gegen jene Filmpest, die nur ein weiterer Schritt zu der Entpersönlichung des Menschen und seiner Entwürdigung zum Maschinisten einer Unzahl von wunderbar feinen technischen Apparaten ist, die ihm aber nach und nach die Hände, die Füße, die Augen und schließlich auch – das Herz ersetzen. Und der Deus ex machina taugt auch auf diesem Gebiete nichts. Er gibt scheinbar und raubt dafür um so mehr! Und du sollst dich nicht berauben lassen, du Wanderer, der du einer neuen Zeit der Fülle und der Helle entgegengehst!
Menschliches, Allzumenschliches.
Aphorismen.
Bleib in deiner Haut, wo auch deines Schusters Rappen traben mögen, und sage nicht: »Grüß enk Gott«, wenn du zu Hause den Nächsten mit einem »Juten Tach« begrüßest. Es ist keine Schande, der und nur der sein zu wollen, der man ist, und die Herzlichkeit des Grußes muß der andere aus deinen Augen verspüren. Alles das liegt jenseits von Geographie und Dialekt.
Machen Kleider wirklich Leute? Leute schon – aber keine Wanderer und keine – Menschen. Und der Weg zum Menschen geht über das Wandern.
»Andere Städtchen, andere Mädchen!« Das ist ganz in der Ordnung. Wenn du im Übermut eines schönen Sommerabends in einen Garten einfällst und von dem Blütenreichtum einige Rosen plünderst und im goldenen Schein deiner Jünglingssehnsucht in jedes Mägdleins Augen, das aus einem altmodischen Giebelfenster schaut, den Himmel siehst, dann ist's, wie wenn ein Blitz nur leuchtet aber nicht trifft, wie wenn eine Sternschnuppe nur vor dir niedergleitet, dir aber nicht auf den Kopf fällt. So, aber nicht anders soll dir ein jedes andere Städtchen ein anderes Mädchen bescheren. Aber – rühre nicht daran! Dann ist es Glück! Und die Zeit ist nicht so sehr lang, wo man die Baßgeigen am Himmel und diesen selbst in jedes Jungfräuleins Augen sieht.