Was das damals war, das weiß ich nicht gewiß. Aber da es in den Märchen von »Tausendundeiner Nacht« Galoschen des Glücks gibt, in denen ein richtiger »Ali« nur »Mutabor« zu sagen brauchte, um in einer Sekunde von Kopenhagen nach Konstantinopel zu kommen, warum soll es heute, nach tausend weiteren Jahren, nicht auch so eine Art Galoschen – des Herzens geben, mit denen man durch die ungeahnten Geheimnisse und Wunder des deutschen Waldes schreiten kann, natürlich ganz unverdienterweise!

Phot. Prof. Dr. Hausrath.

Mittagsstille im Wald.


Von der Heide, der Marsch und der Geest.

Wer den Drang in sich fühlt, einmal ohne Überschreitung der deutschen Grenze etwas Grundanderes zu sehen als ruhevolles Mittelgebirge, schöne deutsche Laubwälder, stille, grünende Matten mit dem eintönigen Leben von Bauern, die gerade ihr Leben noch fristen können; wer einmal die Antithese zu den Wiesen und Bäumen und süddeutschen Binnenseen des vorhergehenden Abschnittes erleben will, der wandere von einer der schönen mitteldeutschen Städte wie Braunschweig oder Lüneburg durch die Heide hinab an die Geest und hinab an die Marsch. Dieses Hinab mißt bloß einige Meter Unterschied in der Meereshöhe, und doch sind diese wenigen Meter entscheidend für den ganzen von Grund aus anderen Charakter der Landschaft, wie sie an der Waterkant, immer noch unentdeckt von den Landratten, mit allen ihren großen, herben Wundern liegt. Besonders die Deichlandschaft der Niederelbe, die sich wie ein Kranz künstlicher Seen um Hamburg herumschließt, ist ein noch unentdecktes Reich. Dort ist das große Meertor von Deutschland, durch das man hindurchsieht auf die Welt außerhalb unseres kleinen Europa, auf Amerika, Asien, Afrika, Australien, von denen die richtigen Jungens der berühmten Fischerdörfer an der Niederelbe reden, so wie wir in der südwestdeutschen Ecke von Frankfurt oder Berlin.

Phot. Hans Müller-Brauel.