Ja, die Dichter, die haben's mit dem Wandern. Wenn sie durch Wald und Felder ziehen, dann offenbart sich ihnen das Leben. Aber ein anderes. Es wird schon so sein, daß es mehr als eines gibt; nicht im Jenseits, von dem wir nichts wissen, sondern im Diesseits.

Phot. R. Hilbert, Rathenow.

Letzte Sonnenstrahlen im Heidewald.

Ich weiß einen Arzt, der nie eine Rose in seinem Garten schneidet, ohne das Messer vorher so gut geschliffen zu haben, als ob er es bei der Operation eines seiner Patienten brauchte. Und ich weiß einen großen deutschen Maler, der von der wehmutvollen Gebärde einer alten Silberpappel am Bodensee so ergriffen wurde, daß ihm ein paar Tränen über die Wangen rollten. Und ich weiß einen Dichter, den einmal nach einem fröhlichen Gelage in einer kühlen Weinlaube am Schwäbischen Meer einige zu Gast geladene Bekannte fragten, was er eigentlich über Gott und die Natur denke. »Blödsinnige Frage!« Das war zunächst seine Antwort. Als sie aber nicht abließen, gab er nach und sagte: »Na ja, wenn ich eben einmal draußen herumlaufe und nicht an blühenden Büschen und Hecken vorbeikomme, ohne ihnen mit der Hand über die Schöpfe zu fahren und ihnen ein gutes Wort zu sagen, dann, na ja, dann spür' ich eben etwas.« Die anderen sahen ihn, was nicht allein von den zu vielen Schoppen kam, starr und verständnislos an; der Dichter aber ärgerte sich darüber, daß er doch nachgegeben und Perlen verschleudert hatte, und fügte seiner Antwort noch vier kraftvolle Worte hinzu, an denen wir jedoch lieber in raschem Schritt und Tritt vorüberwandern wollen.

Und zu guter Letzt, da die fünf kleinen, wissenden Wörtchen hören, daß von Dichtern die Rede ist, kommen sie noch einmal auf leisen Zehen herbeigeschlichen und sagen still und feierlich:

»Das Wandern, ja das Wandern!«

Phot. W. Groothoff.

Fahrende Scholaren.