Die beiden trennten sich, und jeder gesellte sich zu einer anderen Gruppe.

Der Abend hatte sich niedergesenkt über die Residenz und die hohe Karlsschule. Um neun Uhr war, wie es gewöhnlich Brauch war, das Zeichen gegeben worden, sich zu Bett zu legen. Die Lichter erloschen bis auf die matten Lämpchen in den Schlafsälen, nur im Krankensaale brannte helleres Licht. Hier saß Schiller an dem großen Tische und schrieb. Er hatte sich für unwohl ausgegeben und hatte als Kranker manche Vorrechte, welche die Gesunden entbehren mußten. Einige medizinische Bücher waren aufgeschlagen zur Seite; aber er kümmerte sich darum nicht, und seine Feder flog rastlos über das Papier; seine Augen glänzten und seine Wangen brannten, denn er war mit ganzer Seele bei der Arbeit.

Jetzt schlug es draußen zehn Uhr, und gleich darauf huschten Gestalten leise über die Korridore heran und traten ein. Schiller begrüßte sie mit einem Händedruck, jeden einzelnen, dann schrieb er noch weiter, und schweigend saßen die andern an dem Tische.

Da kam Scharffenstein und mit ihm Petersen, der auch schon Proben seiner dichterischen Begabung im engern Kreise abgelegt hatte, und mancher andere, alle in bequemen, leichten Hauskleidern, und endlich erschien auch Hoven mit Haug.

Jetzt legte Schiller die Feder weg, lehnte sich aufatmend in seinen Sitz zurück und begrüßte die beiden. Dann sprach er: »Brüder, ich stelle euch ein neues Mitglied unserer ›Bande‹ vor: Christoph Friedrich Haug, voll guten Ingeniums für die Poesie, zumal begabt mit witziger Satire und in seiner Gesinnung verbürgt von Hoven und Scharffenstein. Wollt ihr ihn aufnehmen?«

Ein allgemeines, halblautes »Ja« erfolgte – denn das laute Sprechen war verpönt –, und Schiller trat an Haug heran: »Wohl denn, so gelobe mir in die Hand bei deiner Ehre, daß du schweigen willst von dem, was hier vorgeht, gegen jedermann, wohingegen ich dir in unserm Namen gelobe, daß es nichts ist gegen Ehre und Recht!«

Haug schlug in die dargebotene Hand ein und sprach: »Ich gelobe.« Dann reichte ihm ein jeder die Rechte, und Schiller fragte wieder: »Wer hat heute die Wache?«

»Petersen!«

»So walte deines Amtes, Petersen!«