Schiller liest seinen Freunden die »Räuber« vor.

»Gut denn, wenn ihr's wollt!« sagte dieser nicht ohne ein zufriedenes Behagen und nahm das Papier zur Hand, auf welchem er geschrieben hatte. Die andern lehnten sich mit dem Gefühl der Spannung in ihren Sitzen zurück und sahen dem jungen Dichter in das erregte Gesicht. Dieser aber begann zu lesen, mit etwas verhaltener Stimme, und man merkte es ihm an, wie schwer es ihm bei einzelnen Wendungen wurde, sich zu beherrschen. Er verstand eben nicht recht, »sanft zu brüllen«, wie Scharffenstein mit einem klassischen Worte sich ausdrückte; aber verständlich war es, wie er las, und dem an der Tür postierten Petersen entging kein Wort.

Gegend an der Donau.

(Die Räuber gelagert auf einer Anhöhe unter Bäumen, die Pferde weiden am Hügel hinunter.)

Karl Moor: Hier muß ich liegen bleiben. (Wirft sich auf die Erde.) Meine Glieder wie abgeschlagen. Meine Zunge trocken wie eine Scherbe. (Schweizer verliert sich unbemerkt.) Ich wollt' euch bitten, mir eine Handvoll Wassers aus diesem Strome zu holen; aber ihr seid alle matt bis in den Tod.

Schwarz: Auch ist der Wein all' in unsern Schläuchen.

Moor: Seht doch, wie schön das Getreide steht! – Die Bäume brechen fast unter ihrem Segen. – Der Weinstock voller Hoffnung.

Grimm: Es gibt ein fruchtbares Jahr.

Moor: Meinst du? Und so würde doch ein Schweiß in der Welt bezahlt. Einer? – – Aber es kann ja über Nacht ein Hagel fallen und alles zugrunde schlagen.

Schwarz: Das ist leicht möglich. Es kann alles zugrunde gehen, wenige Stunden vorm Schneiden.