Moor: Das sag' ich ja. Es wird alles zugrunde geh'n. Warum soll dem Menschen das gelingen, was er von der Ameise hat, wenn ihm das fehlschlägt, was ihn den Göttern gleichmacht? – Oder ist hier die Mark seiner Bestimmung?
Schwarz: Ich kenne sie nicht.
Moor: Du hast gut gesagt und noch besser getan, wenn du sie nie zu kennen verlangtest! – Bruder – ich habe die Menschen geseh'n, ihre Bienensorgen und ihre Riesenprojekte – ihre Götterpläne und ihre Mäusegeschäfte, das wunderseltsame Wettrennen nach Glückseligkeit; – dieser dem Schwung seines Rosses anvertraut – ein anderer der Nase seines Esels – ein dritter seinen eigenen Beinen; dieses bunte Lotto des Lebens, worein so mancher seine Unschuld und – seinen Himmel setzt, einen Treffer zu erhaschen, und – Nullen sind der Auszug –, am Ende war kein Treffer darin. Es ist ein Schauspiel, Bruder, das Tränen in deine Augen lockt, wenn es dein Zwerchfell zum Gelächter kitzelt.
Schwarz: Wie herrlich die Sonne dort untergeht!
Moor (in den Anblick versenkt): So stirbt ein Held! – Anbetungswürdig!
Grimm: Du scheinst tief gerührt.
Moor: Da ich noch ein Bube war, war's mein Lieblingsgedanke, wie sie zu leben, zu sterben wie sie. – (Mit verbissenem Schmerze) Es war ein Bubengedanke!
Grimm: Das will ich hoffen.
Moor (drückt den Hut übers Gesicht): Es war eine Zeit – laßt mich allein, Kameraden!
Schwarz: Moor! Moor! Was zum Henker! – Wie er seine Farbe verändert!