Schwarz: Nun, das war wohlgesprochen.

Moor: Diese Erde so herrlich.

Grimm: Recht, recht – so hör' ich's gern.

Moor (zurückgesunken): Und ich so häßlich auf dieser schönen Welt –, und ich ein Ungeheuer auf dieser herrlichen Erde.

Grimm: O weh, o weh!

Moor: Meine Unschuld, meine Unschuld! – Seht, es ist alles hinausgegangen, sich im friedlichen Strahle des Frühlings zu sonnen, – warum ich allein die Hölle saugen aus den Freuden des Himmels? – Daß alles so glücklich ist, durch den Geist des Friedens alles so verschwistert! – Die ganze Welt eine Familie und ein Vater dort oben. – Mein Vater nicht; – ich allein der Verstoßene, ich allein ausgemustert aus den Reihen der Reinen, – mir nicht der süße Name Kind, – nimmer mir der Geliebten schmachtender Blick, – nimmer, nimmer des Busenfreunds Umarmung. (Wild zurückfahrend) Umlagert von Mördern, – von Nattern umzischt, – angeschmiedet an das Laster mit eisernen Banden, – hinausschwindelnd ins Grab des Verderbens auf des Lasters schwankendem Rohr, – mitten in den Blumen der glücklichen Welt ein heulender Abaddona. – –

In diesem Augenblicke, da alle mit größter Spannung und angehaltenem Atem lauschend nach Schiller hinsahen, erscholl vom Eingange ein warnendes »Pst!« und gleich darauf sprang Petersen von der Tür heran. In wenigen Sekunden war das ganze Bild verändert. Die Stühle, bis auf jenen, auf welchem Schiller saß, waren plötzlich leer und die »Bande« wie mit einem Zauberschlage verschwunden, als ob sie in den Boden versunken wäre. Schiller selbst saß über ein medizinisches Werk gebückt, seine Dichtung aber hatte wohl einer der Genossen an sich genommen.

Jetzt öffnete sich die Tür, und in ihrem Rahmen erschien Herzog Karl Eugen, begleitet von Herrn von Seeger und einem Diener, der einen Armleuchter mit brennenden Kerzen trug. Der hohe Herr kam nicht zum erstenmal zu dieser Zeit in den Krankensaal; denn er liebte es, seine »Söhne« zu jeder Tag- und Nachtstunde zu »visitieren« und sich von ihrem Tun und Treiben zu überzeugen. Schiller hatte sich ehrerbietig grüßend erhoben. Der Herzog aber trat ganz nahe an ihn heran, sah in das Buch, das vor ihm auf dem Tische lag, und da er merkte, daß es ein medizinisches Werk war, sprach er sich anerkennend über den Fleiß und den Eifer, den Schiller für sein Fachstudium bekundete, aus. Dann winkte er diesem, sich niederzusetzen, und setzte sich selbst beinahe vertraulich an seine Seite: »Ein Kranker soll nicht stehen. – Wo fehlt's Ihm denn eigentlich? – Es kommt mir vor, als wenn Er schon öfter im Krankensaale gewesen wäre – hm?«

»Ich leide viel an katarrhalischen Affektionen, Durchlaucht,« erwiderte Schiller einigermaßen befangen – »die zwar nicht bedenklich sind, aber Schonung der Atmungsorgane verlangen.«