Schiller liest den Brief des Intendanten Dalberg
Und hinaus war er, während Frau Vischer lächelnd und mit leisem Kopfschütteln ihm nachsah; ein wunderlicher Mensch war er, aber auch ein außergewöhnlicher, und manches mußte ihm verziehen werden, auch die in einer Kraftanwandlung eingebrochene Tür.
Schiller aber eilte nach der Hauptstetterstraße in den »Ochsen«, wo er gewöhnlich mit seinen Freunden zusammenkam bei einem Schoppen Wein oder Bier. Die Wirtsstube war leer, nur in einer Ecke fand er Petersen, Reichenbach und Streicher und grüßte sie mit erregtem Gruße, dann warf er seinen Brief auf den Tisch. Petersen ergriff ihn und las:
»Dem Herrn Regimentsmedikus usw.
Durch den Buchhändler und Hofkammerrat Schwan habe ich Kenntnis von Ihrer Tragödie ›Die Räuber‹. Das Werk ist von packender Kraft nach Inhalt und Sprache, wie unsere Zeit kaum ein zweites hervorgebracht hat, und wird bei einigen Änderungen auf der Bühne von großer Wirkung sein. Es wird mir eine Freude sein, unter der Voraussetzung einer bühnengerechten Fassung einzelner Szenen, dasselbe auf der Mannheimer Bühne dem deutschen Publikum zuerst vorzuführen und eventuell die neue Bearbeitung in den Verlag der Hofbühne zu nehmen. Ich sehe Ihrer Gegenäußerung gern entgegen und bin mit Vergnügen geneigt, mit Ihnen in nähere Verhandlung über diese Sache zu treten.
Ihr wohlgeneigter
Heribert von Dalberg.«
Sechs Hände streckten sich dem Dichter entgegen zu herzlichem Drucke; Streicher konnte sich's nicht versagen, ihn zu umarmen.