»Na ob – hier ist die ganze Reisegelegenheit!« – er deutete auf den kräftigen, knorrigen Stock – »das ist nun das achtzehnte Exemplar meiner Sammlung und heißt der Holländer – 's ist dabei ein ehrliches deutsches Eichengewächs. Ich habe manches Hübsche mitgebracht; wenn nur die alten Sächelchen nicht so teuer wären, oder meine Einkünfte weiter langten. Aber komm und sieh Dir's selber an. – Manches macht Ihnen vielleicht auch Spaß, Frau Gevatterin« – fügte er, zur Mutter gewendet, bei, die ihre Augen gar nicht von dem geistlichen Sohne abzuwenden vermochte und jetzt mit einer freundlichen Antwort einen Blick nach der Uhr warf.

»Ach so« – sagte der Alte, indem er sich erhob – »es wird wohl Essenszeit; wie wird denn das heute mit Euch?«

»Der hochwürdige Herr Pfarrer hat sich's nicht nehmen lassen, heute die Tafel auszurichten und uns einzuladen,« sagte die Frau mit unverkennbarem Stolze, und Peter Frohwalt fügte bei:

»Du kommst mit, Vetter Martin, der Pfarrer wird sich über den Gast freuen – –«

»Hm,« brummte der Alte, indem er den Kopf hin- und herwiegte und das linke Auge zukniff, »weißt Du, heute vielleicht nicht! Der Pfarrer ist gut und mit dem Kapuzinerguardian ist auch auszukommen, die nehmen mir's nicht übel, wenn mir einmal der Schnabel in die Quere steht, aber die andern, die heute da sind … na, es könnte einen Mißton geben, wenn meine Glocke nicht immer mit den andern zusammenklingt, und den möcht' ich heute am wenigsten ins Pfarrhaus tragen. Darum Gott befohlen!«

»Ich gehe ein Stückchen mit Dir, Pathe Martin,« sagte jetzt Marie – »wir haben noch Zeit bis zur Tafel, und ich will noch einmal nach meiner armen Freundin Grethe Freidank sehen.«

»Ach, das ist das Weib des Uhrmachers; was ist's mit der?«

»Sie liegt seit vierzehn Tagen schwer am Nervenfieber und gestern abend ist's gar nicht gut gegangen.«

»Das thut mir leid … Die Leute können doch kaum drei Jahre verheiratet sein, das kommt noch so mitten ins junge Glück hinein, und Freidank ist ein braver Mensch. Sie haben wohl auch ein Kind?«

»Ja, ein herziges Mädel von zwei Jahren,« sagte Marie mit leuchtenden Augen.