»Na, da komm!«
Der Alte faßte seinen »Holländer« fester, gab dem Priester und der Mutter die Hand und ging. Er trat mit dem schönen, frischen Mädchen hinaus in den Sonnenschein.
»Wie ist mir's denn, ist das Weib Freidanks nicht eine Evangelische?« fragte er.
»Ja, er hat sie auf der Wanderschaft kennen gelernt und heimgeführt, wie er hier das Geschäft von seinem Vater übernahm. Es hat damals viel Gerede drüber gegeben – du warst gerade in Ungarn – und die fremde, junge Frau ist mit Mißtrauen angesehen worden. Aber sie war so freundlich und so fleißig, daß jeder ihr gut sein mußte, und an mich hat sie sich gar sehr angeschlossen, so daß wir rechte Freundinnen geworden sind.«
»Das freut mich, Marie!« sagte Martin mit besonderer Wärme – »und wenn du hinkommst, sag' auch von mir einen Gruß, und ich ließe gute Besserung wünschen. Ich komme wohl auch selber vor, denn ich habe eine Arbeit für Freidank! Adieu!«
Er gab dem Mädchen die Hand und bog nach der Seitengasse, an deren Ende in einem kleinen Garten sein Haus stand.
Nach einem Viertelstündchen kehrte Marie heim mit ernstem Gesicht.
»Es geht sehr schlecht!« sprach sie – »das ist ein trüber Tropfen in meine heutige Freude.«
Peter Frohwalt sagte nichts. Er hatte seinen Cylinderhut ergriffen und die schwarzen Handschuhe und streifte dieselben an; die Mutter aber band ihre Haube sich fester, und dann gingen die drei nach dem Pfarrhause.
Das lag so freundlich und behäbig nahe bei der Kirche. Zwei alte Linden standen davor und beschatteten den Eingang, und zur Seite schloß sich ein kleiner, gutgepflegter Garten an. In demselben, im Schatten von Obstbäumen lustwandelten die geistlichen Herren, bis das festliche Mittagessen angerichtet sein würde. Mit dem weißhaarigen Pfarrer der Stadt ging ein Amtsbruder aus der Nachbarschaft, der erst vor einem halben Jahre in diese Stelle gekommen war und die Verhältnisse der Gegend noch nicht kannte. Er war ein behäbiger Herr mit wohlgenährtem, glänzenden Gesichte, in welchem nur der unruhige Ausdruck der Augen störte. Er frug jetzt im Gespräche: