»Ja, sind Sie's denn wirklich, Stahl?«

»Leibhaftig, Hochwürden – und ich habe die Anwartschaft auf das Sakrament der Priesterweihe, da es zur Seligkeit nicht unumgänglich notwendig ist, aufgegeben.«

Er hatte sich in einem Stuhle niedergelassen und zog sein Zigarrenetui hervor:

»Ist's gestattet, in dieser profanen Weise hier die fromme Luft zu verderben?«

Severin reichte ihm ein Streichholz, und nun kam erst Vogel dazu, zu fragen:

»Ja, sagen Sie um's Himmelswillen, wie ist das gekommen?«

»Ja, wie ist das gekommen?« – Hans Stahl erzählte kurz und bündig, aber mit einer gewissen Begeisterung von seinem Nothelfer. Dieser Vetter Martin! Er hatte wirklich seine Absicht durchgesetzt, und zwar in Person. Er hatte, anstatt nach Thüringen zu wandern, seinen Stab mehr gegen Osten gewendet, war in die Lausitz gegangen, und eines schönen Tags bei seinem Bekannten vom Riesengebirge eingetreten. Und nun entfaltete er seine ganze prächtige und unwiderstehliche Beredsamkeit und wußte selbst die fromme Frau des Hauses so geschickt bei ihren schwachen Seiten zu fassen, daß auch sie nicht länger widerstrebte, Hans aus dem Seminar gehen zu lassen, damit er sich der Kunst widme; nur hatte sie den Wunsch, daß er der Kirche auch als Maler diene und sich besonders religiöse Stoffe wähle. So war dieser frei geworden und besuchte bereits seit zwei Tagen die Kunstakademie.

Das erzählte er mit ergötzlichem Humor und schloß:

»Trotzdem hoffe ich, daß wir Freunde bleiben, denn es ist immer hübsch, wenn man mit den Vertretern der Kirche auf gutem Fuße steht.«