Er betrat den Garten und war erstaunt, einen derartigen auf dem Dorfe zu finden. Hier waren nicht bloß alte Bäume, Kastanien und Linden, von denen erstere freilich schon einigermaßen entlaubt waren, sondern auch schöne Blumenbeete im Schmuck des Herbstes, ein kleiner Springbrunnen, der seinen silbernen Strahl klingend in ein von Goldfischen belebtes Bassin fallen ließ, und einige hübsche Lauben. Er setzte sich in der Nähe eines Gebüsches nieder, das den Blick auf den Eingang einerseits, den Auslug in das Land andererseits freigab, ihn selbst aber den Blicken anderer Gäste beinahe völlig entzog und bestellte sich einen guten Trunk.

Es war still, so daß man das Fallen eines welken Blattes vernehmen konnte, aber schon nach wenigen Sekunden ward die Ruhe unterbrochen durch ein nicht zu verkennendes Geräusch – das Aufschlagen von Kartenblättern auf einem Tische, und Stahl lugte durch das Buschwerk und bemerkte auch jetzt unfern von sich an einem Tische drei Herren, die sich am Spiel ergötzten, und – wie einige geleerte Weinflaschen zeigten – auch einen guten Tropfen nicht verschmähten. Von zweien sah er die Gesichter, die gerötet schienen vor Erregung oder von Wein, der Dritte aber kehrte ihm den Rücken zu, und doch schrak Stahl bei seinem Anblick zusammen: Das konnte kein anderer als Haller sein.

Als der Wirt kam, ihm das Verlangte zu überbringen, frug er diesen nach den Herren, und der erwiderte halblaut und in redseliger Manier:

»Der mit dem runden Hut und der roten Nase ist der Baron Nedam, der eine halbe Stunde von hier ein Gut hat, der andere, der die Karten hält, ist ein Ziegeleibesitzer, ein reicher Herr, und der Dritte ist der Dr. Haller aus der Stadt, ein junger Lebemann, der eine sehr hübsche Frau haben soll, aber mir scheint, sich wenig um sie kümmert. Die drei können etwas leisten im Trunk, und das Spiel geht auch manchmal höher als es soll – aber darüber will ich nicht reden – –«

Einer von den Dreien schlug an seine leere Flasche, und der Wirt sprang auf:

»Schon wieder leer – entschuldigen Sie!«

Stahl saß da mit brennenden, lauernden Augen wie ein Raubtier, und hätte sich am liebsten vorgestürzt gegen den Verhaßten; der Tropfen in seinem Glase schmeckte ihm bitter, aber er hätte jetzt nicht fortgehen mögen um alles in der Welt.

Er hörte Haller sprechen – frivol und zotenhaft, und die andern lachten, während der Horcher die Zähne gegeneinander preßte, er sah ihn trinken, richtiger, ein Glas um das andere hinunterstürzen, und dabei zog er immer aufs neue die Börse – er spielte offenbar mit Verlust.

»Ja – Glück in der Liebe, Herr Doktor!« lachte der Ziegeleibesitzer. – »Ich dächte, wir hörten für heute auf, Ihr Frauchen wird schelten, wenn Sie so spät zu Tische kommen, Sie sind ja noch in den Flitterwochen!«