Vor der letzteren stand er noch, als die Signora, noch immer in dunkler Seide, hereinrauschte. Sie begrüßte den Gast mit einer gewissen Vertraulichkeit, und dieser sagte:
»Wissen Sie, daß diese Herodias Ihnen ähnlich sieht?«
»Monsignore hat das auch behauptet, ich verwahre mich dagegen.«
»Gewiß – Sie würden nicht den Kopf eines Heiligen abzuschlagen begehren, aber dafür richten Sie Unheil an in anderen Köpfen.«
Die Signora lächelte bei der nicht gerade feinen Schmeichelei, und bot dann dem Besucher einen Sitz mit dem Bemerken, daß der Prälat bald aus der Kirche S. Jesu zurückkehren müsse, wo er den Gottesdienst zelebriere.
»Es ist mir lieb, daß ich Sie allein treffe, meine Freundin,« sagte Felice, »und daß ich Ihnen sagen kann, daß Sie allen Einfluß aufzubieten haben, daß der Bischof sich nicht gegen den Glaubenssatz stellt und so sich unangenehmen Folgen aussetzt. Er ist etwas freisinnig angekränkelt und wir haben schon lange ein Auge auf ihn, aber wir sind duldsam, so lange er nicht ein selbständiges, der heiligen Vereinigung unseres Ordens und dem päpstlichen Stuhle widerstrebendes Verhalten zeigt. Wir lassen einem jeden seine Privatanschauung und mischen uns auch nicht in seine privaten Beziehungen« – er hob bei diesen Worten bedeutsam die Augenbrauen – »so lange er ein unbedingt gehorsamer Sohn der Kirche ist. Auf seine Zustimmung zu dem neuen Glaubenssatz wird mit solcher Sicherheit gerechnet, wie auf die Stimmen der anderen italienischen Bischöfe, die nicht erst zu prüfen und zu erwägen, sondern einfach abzustimmen haben. Wenn ich das Ihnen sage, so wissen Sie, warum es geschieht, Signora.«
Frau Lucia senkte mit einem leichten Erröten auf dem immer noch schönen Gesichte das Haupt und sagte:
»Sie und Ihr hochwürdiger Orden dürfen immer auf mich zählen, und so lange ich in diesem Hause Einfluß habe – –«
In diesem Augenblicke klirrte es im Nebenzimmer, dem Arbeitsgemache des Prälaten, als ob etwas herabgefallen und zerschmettert worden wäre. Beide sprangen auf und eilten, in der Meinung, Parelli sei zurückgekommen, dahin. Als sie die Thür öffneten, sahen sie einen seltsamen Anblick. Unweit vom Eingang bei der Bibliothek lag auf dem Boden eine immerhin wertvolle Vase, die auf einer Säule gestanden hatte, zertrümmert auf dem Fußboden und dabei stand Sisto, dem alles Blut aus den Wangen gewichen schien, mit gefalteten Händen und weitgeöffneten, auf die Scherben gerichteten Augen.
»O Signora,« stammelte er, als er Lucias ansichtig wurde, diese aber stürzte wild und zornig auf ihn zu.