»Weil es bekannt ist, daß die deutschen Bischöfe dagegen sind.«

»Und was thut das? Bei der Abstimmung bleiben sie in der Minorität. Der Kirchenstaat allein zählt hundertdreiundvierzig Bischöfe.«

»Aber sie haben keine christlichen Seelen hinter sich.«

»Darauf kommt's nicht an. Die bischöfliche Gewalt und die bischöflichen Rechte sind für alle gleich, und Eure Bischöflichen Gnaden dürfen nicht vergessen, daß die Vorarbeiten hier in Rom gemacht werden, ebenso die Geschäftsordnung.«

»Das will eben mir nicht ganz gefallen. Die Art und Weise, wie die Arbeiten der vorbereitenden Kommission geheim gehalten werden, und daß die Mitglieder bei Strafe der Ausschließung aus der Kirche niemandem etwas davon mitteilen dürfen, ist der Kirche Christi nicht ganz würdig. Christus selbst und die Apostel kannten keine solche Geheimthuerei.«

»Es ziemt sich nicht, gegen die weise Einsicht des heiligen Vaters zu remonstrieren. Wer ein guter Katholik, ein treuer Anhänger des Stuhles des heiligen Petrus ist, weiß, wie er sich zu verhalten hat, und Eure Bischöflichen Gnaden sind Seiner Heiligkeit zu besonderem Danke verpflichtet, man hofft, daß Sie das nicht vergessen werden!«

Die Stimme des Paters hatte bei aller Geschmeidigkeit einen beinahe strengen Ton angenommen, und Sisto, welcher durch das Laubwerk des Bosketts schaute, sah aus seinen Augen einen fast feindseligen Strahl gegen seinen Herrn und Gönner blitzen, so daß sich ihm unwillkürlich die Hand ballte. Die beiden Männer gingen weiter, und der Knabe, welcher ihnen nachblickte, schauderte zusammen, wie er die hohe, hagere Gestalt des Jesuiten sich über den Bischof beugen sah, wie wenn eine dämonische Gewalt übermächtig in dessen Leben und Wollen eingriffe.

Seitdem war es Sisto beinahe unheimlich, wenn Felice im Hause erschien.

Das war wieder eines Vormittags der Fall. Parelli war nicht daheim, als er kam, aber er fühlte sich hier völlig zu Hause, und die Diener, welche wußten, welches Ansehen er bei der Signora hatte, meldeten dieser sein Kommen. Er hatte indes das Bibliothekzimmer betreten und schritt mit seinen leichten, unhörbaren Schritten in demselben auf und nieder, und blieb nur stehen, um da und dort eines der Bilder zu betrachten, welche an den Wandpfeilern und in der Nähe der Fenster hingen und den Kunstsinn und feinen Geschmack des Besitzers bekundeten. Den Jesuiten fesselte besonders ein wunderhübsches, echtes Gemälde von Claude Lorrain mit tanzenden Mädchen, prächtigen, duftenden Gestalten im Waldesgrün, und eine ganz ausgezeichnete Kopie von Morettos »Herodias«.