»Beim heilgen Sixtus, ich habe nicht gehorcht!«
»Und er ist wie ein zorniges Tier, vor dem man sich fürchten muß, und darum muß er aus dem Hause,« sprach das Weib leidenschaftlicher, und Parelli geriet bei diesem Tone sichtlich in Verlegenheit. Da nahm Felice das Wort:
»Ihr seid zu heftig gewesen, Signora, und vergeßt, daß der Knabe ein Wildling ist, der erzogen werden muß. Wenn er hier fortgejagt wird, wißt Ihr nicht, in welche Hand er fällt, und wie sein Seelenheil gefährdet werden kann. Hier ist er in gesicherter und guter Hand, und Ihr könnt an ihm ein gottgefälliges Werk thun!«
Sisto horchte hoch auf; er sah mit großen, verwunderten Augen nach dem Sprecher und dann nach seinem Herrn. Dieser aber sagte:
»Steh auf, Sisto, und bitte die Signora um Verzeihung für Deine Wildheit, die Du Dir abgewöhnen mußt und dann bleiben wir wieder die Alten.«
Der Knabe atmete einigemale hastig, dann sprang er, blutrot im Gesichte, auf, trat mit gesenkten Augen an Lucia heran und sprach halblaut, mit gepreßter Stimme:
»Vergebt mir, Signora, wenn ich Euch erschreckt habe, bitte!«
Sie sah ihn halb zornig, halb triumphierend von oben her an, und sprach dann:
»Wenn zwei so hochwürdige Herren Dich unterstützen, will ich's vergessen, ich hoffe aber, daß ich nicht wieder Veranlassung habe, über Dich zu klagen!«
Das klang kühl und hochmütig, und Sisto fühlte auch, wie ihn fröstelte bei den Worten. Nun atmete er tief auf, ging zu dem Prälaten, drückte einen langen, heißen Kuß auf dessen Rechte und legte dieselbe dann an seine Brust, während er mit Augen voll unsäglicher Liebe und Hingabe zu ihm aufschaute, so daß dieser gerührt und ergriffen, ihm wie segnend die Hand auf die dunklen Locken legte und dann milde und freundlich sagte: